Braun ohne Sonne (und Hautschäden)

Wieder eine Studie zum Thema „Braun ohne Sonne“, nicht aus Schönheits-, sondern aus medizinischen Gründen. Nach der systematischen Übersichtsarbeit niederländischer Spezialisten zur Verwendung von Melanotan, kommt jetzt eine Studie von Wissenschaftlern aus Boston, USA zu einem anderen Stoff, der die Pigmentbildung stimulieren kann und vor Hautkrebs schützen soll.

So werden Sie (nicht) braun

Man wird nicht „einfach so“ braun, wenn die Sonne scheint. Das geschieht aus einem wichtigen Grund. Braun werden ist eine Schutzreaktion des Körpers. Durch spezielle Zellen, die Melanozyten, werden unter dem Einfluss von Sonnenlicht Pigmente (Melanin) gebildet, um die Zellen vor UV-Schäden zu schützen. Dieser Prozess wird Melanogenese genannt.
Der Körper bildet verschiedene Arten von Melanin, unter ihnen das gelbbraune Eumelanin und das rötlichere Phäomelanin. Eumelanin ist das vorherrschende Pigment bei Menschen mit dunklem und schwarzem Haar, Phäomelanin dominiert bei Rothaarigen.
Hellhäutige Menschen, die nicht schnell braun werden, haben bei gleicher Sonnenbestrahlung ein erhöhtes Risiko auf Hautschäden, zu denen auch Hautkrebs zählt. Das kommt dadurch, dass ihre Haut viel weniger dunkles Pigment enthält. Obwohl Hautkrebs auch bei dunkelhäutigen Menschen auftreten kann, senkt Eumelanin das Krankheitsrisiko beträchtlich.

Können wir der (hellen) Haut helfen?

Was wäre, wenn, wir helle, verletzliche Haut bei der Bildung dunkler Pigmente unterstützen könnten? Aber ohne, uns dafür in der Sonne aufhalten zu müssen? Dazu werden auch viele Studien durchgeführt. Die Inzidenz von Hautkrebs ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Außerdem gibt es verschiedene Hauterkrankungen, bei denen Lichtüberempfindlichkeit eine Rolle spielt und gegen die es noch kein Mittel gibt. Auch in dieser Studie standen diese Fragen zentral.

UV-Licht setzt eine Reaktion in Gang, wodurch bestimmte Hautzellen, die Melanozyten, schließlich das Pigment Melanin bilden. Die US-amerikanischen Wissenschaftler entwickelten einen Stoff, der in den letzten Teil dieser Reaktion eingreift. Der Stoff, der sogenannte SIK-Hemmer, wurde dann zudem so zerkleinert, dass er in einer Creme die Hautbarriere passieren konnte.
Das Mittel wurde erst an humanen Zellen getestet, dann an Mäusen und schließlich auch erfolgreich an menschlichem Hautgewebe.

Obwohl noch keine Studien an Menschen (oder „echten Patienten“ mit Pigmentstörungen oder Hautveränderungen) durchgeführt wurden, denken die Wissenschaftler aus Boston, dass sie eine ernstzunehmende „sonnenlichtfreie“ Methode entwickelt haben, um Pigmentbildung zu stimulieren und damit einen besseren Schutz vor UV-Schäden und Hautkrebs zu erreichen.

Kein Selbstbräuner oder Melanotan

Warum können wir eigentlich nicht einfach einen Selbstbräuner verwenden? Ein Selbstbräuner verleiht der Haut eine braune Farbe, aber ohne, dass dabei von den Pigmentzellen das schützende Melanin gebildet wird. In Selbstbräunern wird oft der Stoff DHA verwendet. Dieser reagiert mit den Aminosäuren in der obersten Schicht der abgestorbenen Hautzellen und bildet dabei Melanoidine. Das oberflächliche Braun dieser Hautreaktion bietet so gut wie keinen Schutz (höchstens LSF 2).

Und was ist der Unterschied zum Bräunungsmittel, das wir auf Skinwiser besprochen haben, den Melanotan-Injektionen? Dieses Mittel basiert auf dem Hormon alpha-MSH, auch ein Stoff, der die Bildung von Eumelanin in den Melanozyten stimuliert. Das Hormon (Arbeitsname Afamelanotid) muss jedoch gespritzt oder eingenommen (Nahrungsergänzungsmittel) werden. Es hat einige Nebenwirkungen, unter ihnen Übelkeit, Herzrasen, aber auch eine erhöhte Libido.

Es gibt auch Case Reports von Anwendern, die das Mittel (möglicherweise falsch) zu Hause benutzten, die einen Zusammenhang mit Melanomen suggerieren.
Afamelanotid ist im Moment nur für (medizinische) Anwendungen bei Studien zu ernsthaften Lichtempfindlichkeiten wie erythropoetische Protoporphyrie zugelassen. Die Ergebnisse dieser klinischen Versuche sind gut.

Eincremen gegen Hautkrebs

Es wird noch einige Jahre dauern, bevor der untersuchte Stoff (ein SIK-Hemmer) auch tatsächlich einer breiten Masse als Creme zur Verfügung steht. Aber sogar dann wird das „kräftige Braun“ kein Freibrief sein, um unbegrenzt und ungeschützt in der Sonne zu liegen. Es bleibt weiterhin wichtig, die Haut mit einem hohen Lichtschutzfaktor vor sowohl UVA- als auch UVB-Strahlung zu schützen.


Originaltitel:
A UV-Independent Topical Small-Molecule Approach for Melanin Production in Human Skin

Veröffentlichung:
Juni, 2017

Autoren:
Nisma Mujahid, Yanke Liang, Ryo Murakami, Hwan Geun Choi, Allison S. Dobry, Jinhua, Wang, Yusuke Suita, Qing Yu Weng, Jennifer Allouche, Lajos V. Kemeny, Andrea L. Hermann, Elisabeth M. Roider, Nathanael S. Gray, David E. Fisher

Wissenschaftliche Zeitschrift:
Cell reports

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