Vor Kurzem habe ich wieder gelesen, dass 60 % der Kosmetika, die wir verwenden, in den Körper gelangen. Das ist zum Glück Unsinn! Ich verstehe aber, dass es zu Missverständnissen führen kann. Schließlich hat die Haut eine Barrierefunktion, ist aber gleichzeitig durchlässig. Ein Rezept für Missverständnisse ... Ich liste hier 7 davon für Sie auf.
First things first: So funktioniert die Haut
Zunächst einmal: Zunächst die Grundlagen. Die Haut besteht aus drei Schichten. Von außen nach innen: die Epidermis, die Dermis und das subkutane Bindegewebe. Die Hauptaufgabe dieses Organs ist es, Sie zu schützen. Sie bildet eine Barriere gegen Mikroorganismen, Chemikalien und Feuchtigkeit: Ihre Haut verhindert, dass Wasser den Körper verlässt.
Vor allem die Epidermis wirkt wie ein Schutzwall. Sie besteht aus abgestorbenen Hornzellen (Keranozyten), die mit Hautfetten wie Ceramiden, Cholesterin und freien Fettsäuren „zugemauert“ sind. Das mag hermetisch klingen, ist es aber nicht.
1. Missverständnis: Barriere bedeutet komplett dicht
Es ist ein bisschen anders. Ihre Hautbarriere ist nicht komplett dicht, sondern eher ein Filter. Stoffe mit bestimmten Eigenschaften lässt die Haut einfach passieren. Solche Stoffe bestehen aus Partikeln mit der richtigen Form und einer geringen Größe. (Und dann meine ich wirklich sehr, sehr klein: der kleinste „Raum“ zwischen den Hornzellen ist 3.500-mal kleiner als der Durchmesser eines Haares ...) Der richtige Säuregrad (pH-Wert) und die richtige Ladung sind ebenfalls wichtig. Außerdem lässt die Haut fettlösliche Stoffe leichter durch als wasserlösliche Stoffe. Das liegt daran, dass Hautfette Wasser abstoßen.
2. Missverständnis: Circa 60 % der aufgetragenen Kosmetika dringen durch die Haut
Nur weil Ihre Haut nicht gerötet ist, heißt das noch lange nicht, dass sie unversehrt ist. Im Internet hält sich hartnäckig das Gerücht, dass 60 % der Kosmetika, die wir verwenden, in Ihren Körper gelangen: in Ihre Haut, Ihr Blut, Ihre Organe und sogar Ihr Gehirn. Ich kann Ihnen sagen: Das ist Unsinn. Creme, die wir auf die Haut auftragen, „verschwindet“, aber nicht in den Körper hinein. Wenn Ihre Haut so durchlässig wäre, wie in diesem Beitrag im Internet behauptet wird, würden Sie nach einer Dusche oder einem 15-minütigen Bad durch all das Wasser, das durch Ihre Haut dringt, Kilos zulegen!
3. Missverständnis: Einmal aufgenommen, bleiben die Stoffe im Körper
Beängstigende Dinge neigen wir zu glauben - nur um auf der sicheren Seite zu sein. So verständlich das auch ist: Es ist ein Mythos, dass sich Stoffe aus Kosmetika im Körper anreichern. Stoffe, die durch die Epidermis dringen, bleiben nur kurze Zeit dort. Das liegt daran, dass Ihre Haut Makrophagen beherbergt: abfallfressende Zellen, die zu Ihrem Immunsystem gehören. Makrophagen erkennen körperlose Substanzen und fressen sie auf. Stoffe, die in den Blutkreislauf gelangen, werden von der Leber und den Nieren herausgefiltert.
4. Missverständnis: Parabene in Kosmetika verursachen Krebs
Parabene sind in vielen Kosmetika enthalten, weil sie die Haltbarkeit der Produkte verlängern. Sie können in gewisser Weise in die Haut eindringen. Und sie wurden auch schon mal im Körpergewebe gefunden. Vor langer Zeit, im Jahr 2004, vermutete ein Forscher, dass Parabene Brustkrebs verursachen. Das war beängstigend, weshalb dieser Bericht weiterhin hartnäckig kursiert. Aber inzwischen sind Parabene umfassend erforscht. Und es hat sich herausgestellt, dass kein Zusammenhang zwischen Parabenen und Brustkrebs besteht.
Richtig ist, und das weiß kaum jemand, dass Parabene in Gurken, Obst und Soja natürlicherweise vorkommen. Das liegt daran, dass Pflanzen Parabene verwenden, um sich vor dem Verderben zu schützen. Hersteller haben sich davon die Verwendung von Parabenen als Konservierungsmittel abgeschaut.
5. Missverständnis: Deine Haut nimmt genauso viele Wirkstoffe auf wie meine
Man sollte meinen, dass die Haut aller Menschen in etwa gleich ist. Das ist nicht so! Darüber habe ich vor Kurzem einen Artikel gelesen. Wie weit ein Wirkstoff in die Haut eindringt, ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Ein Test mit einem hautregenerierenden Inhaltsstoff, zeigt, dass sich die Faltentiefe bei manchen Menschen um bis zu 60 % verringerte und bei anderen hingegen fast gar nicht.
Die Aufnahme von Substanzen ist auch je nach Körperteil unterschiedlich. Die Haut um die Augen ist beispielsweise doppelt so dünn wie die Haut am Unterarm und lässt mehr Stoffe hindurch. Auch geschädigte Haut, sei es durch Akne, Rosacea oder einfach nur durch Rasieren, ist durchlässiger als Haut mit einer intakten Hautbarriere. Dann können Reizstoffe und Bakterien eindringen und Ihnen durch Juckreiz, Rötungen und/oder Infektionen zeigen, weshalb Sie Ihre Hautbarriere pflegen sollten.
6. Missverständnis: Wegen der Hautbarriere sind Hautpflegeprodukte sinnlos
Die Haut ist zwar eine Barriere, aber die Wirkstoffe können trotzdem ihre Wirkung entfalten. In der Tat können viele der Wirkstoffe in meinen Hautprodukten auf natürliche Weise in die Epidermis gelangen. Denken Sie an Glykolsäure, Salicylsäure, Azelainsäure, bestimmte Vitamin-A-Derivate, manche Hyaluronsäuren und Glyzerin.
7. Missverständnis: Manche Wirkstoffe sind unbrauchbar für die Haut
Nur weil die Haut manche Stoffe nicht auf „natürlichem Wege“ durchlässt, heißt das nicht, dass diese Wirkstoffe für Hautpflegeprodukte unbrauchbar sind. Es ist möglich, kosmetische Inhaltsstoffe durch die Haut hindurchzuschleusen. So gehen Sie dabei vor:
Richtige Formulierung - Ich gebe zum Beispiel schwer passierbare Stoffe in eine Formel mit dem richtigen pH-Wert und der richtigen Ladung - dann lässt die Haut sie trotzdem passieren.
Hilfsstoff - Schwer passierbare Stoffe können auch von einem anderen Inhaltsstoff „mitgenommen“ werden. So nimmt Vitamin E bestimmte Wirkstoffe mit durch die Oberhaut.
Transportmittel - Hautaktive Substanzen, für die die Epidermis nicht zugänglich ist, können in mikroskopisch kleine Fettkügelchen (Liposomen) verpackt werden, die die Haut frei passieren können. Liposomen fungieren dann als Transportmittel. Versuche, um dies auch mit Kollagen (das zu große Partikel enthält, um durch die Epidermis zu gelangen) zu bewerkstelligen, sind noch nicht ausgereift.
Sanfte Gewalt - Schließlich können Sie die Hautbarriere umgehen, indem Sie sanfte Gewalt anwenden und die Haut ein wenig beschädigen. Das geschieht beim Microneedling. Dadurch entstehen mikroskopisch kleine Schäden. Dort verschwindet die Barrierefunktion für eine Weile und ermöglicht es so, Wirkstoffe in die Haut einzuschleusen. Das ist übrigens ein Fachgebiet der Dermatologie, und das aus gutem Grund. Wenn Sie das nicht richtig machen, schaden Sie Ihrer Hautbarriere dauerhaft.