• Cremes gegen Cellulite: Machen sie Sinn?

Cremes gegen Cellulite: Machen sie Sinn?

Es ist Frühling! Die Jacken bleiben im Schrank, Stiefel werden gegen Schuhe getauscht und Kleider können wieder ohne Legging oder Strumpfhose getragen werden. Obwohl ich nach einer kurzen Inspektion beschlossen habe, dass meine Beine doch noch nicht ganz „sommerfit“ waren… Ich vermute, dass viele Frauen heute morgen denselben Gedanken hatten und sich doch wieder für die sichere Jeans entschieden haben. Denn weiße Beine, unschöne Äderchen und Cellulite können sie Sommerfreude ordentlich trüben! An den ersten beiden kann man etwas machen, aber wie sieht das bei Cellulite aus? Wer im Internet nach Lösungen sucht, erhält tausende Treffer mit Mitteln, Apparaten und Stoffen, die sich an Großartigkeit gegenseitig übertreffen. Es überrascht mich immer wieder, was alles versprochen wird. So gern ich wollte, dass es funktioniert: Zwischen den wissenschaftlichen Resultaten und den Versprechen gibt es enorme Unterschiede …

Was ist Cellulite?

Cellulite kommt öfter vor, als Sie denken. Zwischen 80 und 90 Prozent der Frauen leidet darunter. Das macht Cellulite zu einem normalen Phänomen anstelle eines Leidens. Ein schwacher Trost, denn Leiden oder normal, Cellulite bleibt sehr unschön! Obwohl es verschiedene Theorien gibt, sind die Ursachen von Cellulite:

  • eine dünnere tiefere Hautschicht
  • schlafferes und unregelmäßiges Bindegewebe in der tieferen Hautschicht (Bindegewebe stützt die Haut)
  • mehr lokales Fett unter der Haut

Die Dellen auf der Haut, die auch Orangenhaut genannt werden, werden sichtbar, da das lokale Fett gegen die Haut drückt. Diese Fettklumpen werden durch die schlaffere und dünnere Bindegewebsschicht von der tieferen Dermis gedrückt. Denken Sie an ein Netz mit Orangen! Bei Menschen mit Cellulite sind die Fettklumpen größer und liegen die schrägen Bindegewebsfasern (die Schnüre des Orangennetzes) nicht so regelmäßig und gerade auf der Haut. Sie scheinen auch fester zu sitzen.

Eine Anticellulite-Creme – Macht das Sinn?

Es gibt tatsächlich Stoffen, die „im Reagenzglas“ Fett verbrennen und das Bindegewebe stärken können. Denken Sie beispielsweise an Koffein, Aminophyllin oder Vitamin-A-Säure. Bevor Sie sich jubelnd einen Vorrat von Produkten mit diesen Inhaltsstoffen anlegen, habe ich noch einige Bemerkungen.

  1. Die Probleme in der Haut liegen bei Cellulite so tief, dass sie nur schwierig von den Wirkstoffen erreicht werden können.
  2. Die Konzentrationen in Cremes sind oft nicht vergleichbar mit den Konzentrationen, die für wissenschaftliche Studien verwendet werden.
  3. Eine Studie wird in einem Labor durchgeführt und die Ergebnisse werden unter dem Mikroskop betrachtet. Was man jedoch in einem Reagenzglas oder unter dem Mikroskop sieht, ist mit dem bloßen Auge oft nicht zu erkennen.

Und auch nicht unwichtig: Viele Studien werden von der Industrie selbst durchgeführt …

Placeboeffekt

Und doch wurden auch mehrere unabhängige Studien zum Gebrauch von Anticellulite-Cremes durchgeführt. Eine Gruppe der Studienteilnehmerinnen verwendete dabei ein Placebo (ohne, dass sie es wussten) und die andere eine Creme mit vielversprechenden Inhaltsstoffen. Es stellte sich heraus, dass Anticellulite-Cremes tatsächlich Cellulite verbessern können. Aber … die Ergebnisse der Creme ohne aktive Bestandteile zeigten eine vergleichbare Verbesserung! Der Placeboeffekt ist bei solchen Produkten also enorm!

Bislang scheint es am besten, einfach zu akzeptieren, dass Cellulite einfach zum Frau sein gehört. Und trotzdem bleibt es ärgerlich, dass Männer davon verschont bleiben …

Herzliche Grüße
Jetske Ultee

(Dr. Jetske Ultee – Forschungsärztin kosmetische Dermatologie)