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Liposomen – was sind das?

Es klingt so gut: Liposomen, die Ihre Haut in kürzester Zeit wieder glatt und strahlend machen! Aber was sind Liposomen eigentlich?

Die komplizierte Geschichte hinter Liposomen …

Liposomen wurden von einem englischen Wissenschaftler 1961 „erfunden“. Er entdeckte, dass man von einer doppelten Schicht Phospholipiden (Fettteilchen), winzige Kügelchen (zwischen 25 und 500 nm) herstellen kann. Phospholipide haben einen wasserabstoßenden Kopf (der demzufolge fettlöslich ist) und einen Schwanz, der Wasser anzieht (und demzufolge wasserlöslich ist). Bei einem Liposom sieht man, dass die Köpfe nach außen stehen, die Schwänze der ersten Reihe die der zweiten Reihe anziehen und dass der entstandene Zwischenraum auch wieder von Köpfen umgeben ist. Ich verstehe, dass das etwas vage klingt, darum hier zum besseren Verständnis eine Abbildung. In dem Zwischenraum der Phospholipide-Kügelchen kann man Wirkstoffe einschließen. Das ist gut, denn die Phospholipide-Kügelchen ähneln kleinen Zellen und können leicht in die Haut eindringen. In der Haut lösen sie sich auf und geben den Inhalt frei. Was für eine brillante Erfindung! Leider werde ich Ihnen wieder den Spaß durch einige Bemerkungen verderben.

Zu schön, um wahr zu sein?

  • Liposomen zerfallen sehr schnell in Fett oder wenn Tenside oder Emulgatoren (Stoffe, die Wasser und Fett binden) enthalten sind. Das muss auch so sein, sonst können sie nicht die Wirkstoffe in der Haut hinterlassen. Verwendet man Sie in einem Tiegel Creme, dann zerfallen sie bereits im Tiegel. Und dann sind sie nicht mehr wirksam. Sie wirken am besten in einem Gel. In einem Shampoo oder Reiniger überleben Liposomen auf keinen Fall! (Umschrieben in dem Buch Novel Cosmetic Delivery Systems von Romanowski. P. et all im Kapitel Stability testing of cosmetic products)
  • Ein Liposom kann unter bestimmten Umständen (zum Beispiel beim Vorhandensein von Fettsäuren) mit anderen Liposomen verschmelzen. Sie können sich vorstellen, dass so ein übergewichtiges Liposom nicht mehr so leicht in die Haut eindringt.
  • Liposomen vertragen keinen Sauerstoff und keine Wärme. Die in Ihrem Produkt wurde bereits schon einigen schrecklichen Umständen ausgesetzt, bevor sie in Ihrem Badezimmer ankamen. Wenn Sie da hinzuzählen, dass Sie den Tiegel schon einige Male aufgeschraubt haben und dass die in Ihrem Koffer mit nach Spanien und in ein anderes warmes Land durften, dann wissen Sie, was das bedeutet: Das Ende der Liposomen! Außerdem finden Sie im Allgemeinen einen pH-Wert von um die 6,5 am besten, weicht dieser zu stark ab, dann geben sie schnell auf …
  • Liposomen können aber auch Stoffe enthalten, die Sie lieber nicht tief in Ihrer Haut haben möchten. Da können Sie zum Beispiel an bestimmte chemische UV-Filter und Konservierungsmittel denken. Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass diese Stoffe in Ihre Blutbahn gelangen. Und das sollten Sie besser nicht wollen!
  • Es gibt unterschiedliche Liposomen, auch solche ohne Zwischenraum und ohne wirksame Stoffe. Sie sollten auf der Liste der Inhaltsstoffe kontrollieren, ob Ihr Produkt auch wirksame Substanzen enthält. Sie können sich sicherlich auch vorstellen, dass wenige Liposomen in Ihrem Produkt nichts ausrichten können. Das sollten Sie auch noch kontrollieren. Enthält Ihr Produkt viele Liposomen, dann muss „Lecithin“ ziemlich weit oben stehen.

Und doch bin ich guter Hoffnung, dass die uns noch viel bringen werden. Sowohl in der Medizin als auch in der Kosmetikwelt wird eifrig experimentiert, um die Teilchen stabiler zu machen. Ich werde Sie auf dem Laufenden halten!

Herzliche Grüße
Jetske Ultee

(Dr. Jetske Ultee – Forschungsärztin kosmetische Dermatologie)