• Parabene: Brustkrebs oder Unfruchtbarkeit?

Parabene: Brustkrebs oder Unfruchtbarkeit?

Parabene wurden für sicher befunden, sind sie doch in unserer Nahrung enthalten und lösen kaum allergische Reaktionen aus. Das klingt vorerst sehr positiv, warum dann die Kontroverse? Man braucht nur im Internet zu surfen, um zu sehen, wie negativ die Äußerungen über Parabene sind. Ich sehe auch immer öfter parabenfreie Produkte auf den Markt kommen. Wie geht das?

Studie zu Tumorgewebe und der Link mit Parabenen

Begonnen hat es alles mit einer Studie, die 2004 veröffentlicht wurde (Darbre, in the Journal of Applied Toxicology – Abstract). Ich vermute, dass die Wissenschaftler die Auswirkungen ihres Artikels nicht vorausgesehen hatten. Darbre beschrieb, dass bei dieser Studie im Tumorgewebe von 20 Frauen in 18 der 20 Präparate Parabene nachgewiesen wurden. Sie sagte, dass Parabene, denen schwach östrogene Eigenschaften nachgewiesen wurden, möglicherweise Einfluss auf die Tumorbildung hätten. Da manche Deodorants es enthalten, hätte die Verwendung eines Deodorants theoretisch Einfluss auf das Wachstum von Brusttumoren. Das ist ein typischer Fall von „jumping to conclusions“.

Es ist in der Tat so, dass bestimmte kosmetische Stoffe sich an Östrogen-Rezeptoren binden können und in geringem Maße die Wirkung von Östrogen (weibliche Hormone) nachahmen können. Östrogen (und vielleicht auch dieses „Nachahmungsöstrogen“) kann auf diese Weise das Wachstum von denjenigen Tumoren beeinflussen, die auf diese Hormone empfindlich reagieren. Das ist auch der Grund, aus dem Brustkrebspatientinnen die Einnahme der Antibabypille beenden müssen.

Anmerkungen zur Studie

So gruselig es auch klingt: Zu der Studie von Darbre lässt sich viel anmerken. Erstens hat diese Studie nicht nachgewiesen, dass sie krebserregend oder in anderer Hinsicht schädlich sind. Außerdem wurde nicht kontrolliert, ob auch gesundes Brustgewebe Parabene enthielt. Auch die anderen Kontroll-Objektträger (ohne Tumorgewebe) enthielten Parabene. Der Autor gab in dem Artikel selbst an, dass die Parabene aus Hautpflegeprodukten der Laboranten oder dem Reinigungsmittel, mit dem die Objektträger gereinigt wurden, stammen könnten.

Die öffentliche Meinung …

Trotzdem kam die Öffentlichkeit schnell zu der Meinung, dass die Verwendung von Deodorants, die Parabene enthalten, für Brustkrebs verantwortlich seien. Obwohl die Veröffentlichung im Journal of the National Cancer Institute (Abstract) bewies, dass bei einer Gruppe von 810 an Brustkrebs erkrankten Frauen und 793 gesunden Frauen kein Zusammenhang zwischen der Verwendung von Deodorant und Brustkrebs bestand, war das Kind schon in den Brunnen gefallen. Auch eine große französische Studie konkludierte nach einer Analyse von 59 Studien zu diesem Thema, dass es keinen einzigen Beweis für einen Zusammenhang zwischen der Verwendung von Deodorants und Brustkrebs gibt. Interessant ist auch, dass sie in ihrem Artikel angaben, dass (im Gegensatz zu Hautpflegeprodukten) nur der geringste Teil der Deodorants auch wirklich Parabene enthält (Abstract).

Sogar die Tatsache, dass in dem Artikel steht, dass es angesichts der maximalen täglichen Aussetzung unmöglich war, dass sie Brusttumore verursachen können (Abstract), konnte den Ruf der Parabene nicht rehabilitieren. Auch die Ergebnisse verschiedener experimenteller Studien, bei denen sich zeigte, dass Parabene weder toxisch noch krebserregend sind, halfen nicht. Obwohl sie sich tatsächlich wie Östrogene verhalten können, haben sie eine beträchtlich schwächere Wirkung. Eine Studie aus dem Jahr 1998 (Abstract) bewies, dass das kraftvollste Paraben (Butylparaben) eine 10.000- bis 100.000-fach weniger starke Wirkung hat als Östradiol (Hormon aus der Reihe der Östrogene). Außerdem werden Parabene in Kosmetik in sehr niedrigen Konzentrationen verwendet.

Fruchtbarkeit

Es wurde aber noch mehr über Parabene geschrieben: In diversen Studien wurde nachgewiesen, dass verschiedene Parabene, die den Nahrungsmitteln männlicher Versuchstiere hinzugegeben wurden, die Fruchtbarkeit verringern können (Abstract). Das sind keine guten Aussichten. Was Sie sich realisieren müssen, ist, dass diese Versuchstiere einer viel höheren Konzentration Parabene ausgesetzt waren, dann durch die Verwendung von Kosmetikprodukten möglich ist. Es ist also sehr unwahrscheinlich, dass das als einziger Faktor Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben könnte.

Wie bereits eher gesagt, müssen Sie, wenn Sie absolut sicher gehen wollen, Parabene vermeiden. Dann sollten Sie aber berücksichtigen, dass parabenfreie Produkte nicht immer besser sind. Ein Produkt muss immer Konservierungsmittel enthalten, es wäre selbst gefährlich, wenn das nicht so wäre. Sogar „konservierungsmittelfreie“ Produkte enthalten „Konservierungsmittel“. Diese sind nur noch nicht als solche registriert. Es sind aber immer Stoffe, die Schimmel und Bakterien abtöten. „Parabenfreie“ Produkte enthalten in vielen Fällen oftmals klassische Konservierungsmittel mit einem schlechteren Sicherheitsprofil als Parabene, die jedoch von einem größeren Publikum als weniger negativ angesehen werden. Konservierungsmittel stehen fast immer als letztes auf der Liste der Inhaltsstoffe. Kontrollieren Sie einmal auf der Verpackung, was Ihre Produkte enthalten! In Kürze werde ich Ihnen eine Übersicht geben. Es gibt noch viel zu tun …

 

Herzliche Grüße

Jetske Ultee

(Dr. Jetske Ultee – Forschungsärztin kosmetische Dermatologie)