Sinn und Unsinn von Aftersun-Produkten

Letzte Woche wurde ich vom niederländischen Programm Radar eingeladen, um etwas über Aftersun-Produkte zu erzählen. Ich habe nicht spontan zugesagt, denn ich mag Fernsehauftritte nicht besonders. Im Gegensatz zu Interviews für Zeitschriften, hat man dort weniger Kontrolle darüber, wie das Interview genau ausgestrahlt wird. Durch das Editieren der Aufnahmen können sorgfältig getane Äußerungen sehr schnell ganz anders klingen als ursprünglich beabsichtigt. Und doch habe ich die Einladung angenommen. Sonnenbrand kommt nämlich so oft vor und eine falsche Behandlung kann der Haut dann erheblich schaden. Für alle Deutlichkeit schreibe ich Ihnen hier noch einmal alles auf.

Jeder bekommt mal einen Sonnenbrand

Natürlich ist vorbeugen besser als heilen, aber jeder zieht sich ab und zu einen Sonnenbrand zu. Auch ich, wenn ich ehrlich bin. Aus einer Schweizer Studie unter Schulkindern ging kürzlich hervor, dass gut 60 Prozent der Kinder letztes Jahr wenigstens einmal einen Sonnenbrand bekommen haben.

Wie gehen wir damit eigentlich um?

Was ist ein Sonnenbrand?

Sich nach einem Sonnenbrand eincremen, ist sinnvoll. Eincremen hilft gegen das Austrocknen der Haut und trägt dazu bei, ihre Barrierefunktion zu regenerieren.

Ein Sonnenbrand ist eigentlich ein Entzündungsprozess, bei dem gefährliche freie Radikale entstehen und Schäden verursachen können. Je schneller sich die Haut wieder beruhigt, desto besser. Cremes können dabei helfen. Dann müssen Sie jedoch ein Produkt ohne Parfüm, reizende Stoffe wie Menthol und ohne eine hohe Konzentrationen Alkohol verwenden. Aber genau das sind die Inhaltsstoffe, die Aftersun-Produkte im Allgemeinen enthalten, um diesen angenehm kühlenden Effekt zu verursachen …

Glauben Sie mir: Mit einem Produkt, das reizende Stoffe wie Parfüm, Menthol oder Alkohol enthält, sollten Sie sich besser nicht eincremen. Bei einem Sonnenbrand reagiert die Haut besonders sensibel auf derlei Schadstoffe.

Ist ein separates Aftersun-Produkt wirklich notwendig?

Kurz gesagt, macht es keinen Unterschied, ob Sie eine normale Bodylotion, ein Gesichtspflegeprodukt oder ein Aftersun-Produkt verwenden – solange die Liste der Inhaltsstoffe stimmt.  Wählen Sie am besten ein Produkt auf Wasserbasis (Wasser steht dann auf der Liste der Inhaltsstoffe an erster Stelle).  Sehr fettige Produkt speichern die Wärme in der Haut, obwohl sie umgehend gekühlt werden sollte. Das ist vor allem in den ersten Stunden nach dem Sonnenbrand wichtig.

Was sollte Ihr Aftersun-Produkt enthalten?

Fast alle Aftersun-Produkte enthalten Aloe vera. Schaut man sich jedoch wissenschaftliche Studien zur Anwendung dieses Produkts bei Sonnenbrand an, sind die Ergebnisse nicht eindeutig. So zeigte eine gut ausgeführte Studie mit einem Kosmetikprodukt mit gut 70% Aloe vera keine Wirkung bei Sonnenbrand. Obwohl wenig Studien zur genauen Wirkung anderer Wirkstoffe in Aftersun-Cremes durchgeführt wurden, sind hydratisierende Stoffe wie Glyzerin und Hyaluronsäure, die Hautbarriere regenerierende Stoffe wie Niacinamid, beruhigende Stoffe wie Panthenol, Süßholzwurzel und Beta-Glucan sowie Antioxidantien auf jeden Fall empfehlenswert. Von diesen Stoffen ist bekannt, dass sie sie Feuchtigkeitsbalance in der Haut regenerieren, die Barrierefunktion stärken, den Entzündungsprozess bekämpfen und der Bildung freier Radikale entgegenwirken. Beginnen Sie nach dem Abkühlen mit dem Eincremen und tragen Sie am besten in Abständen von einigen Stunden eine Schicht Creme auf die Haut auf.

Was können Sie nach einem Sonnenbrand noch tun?

  • Kühlen Sie besser nicht mit Eis, sondern mit beispielsweise einem lauwarmen Bad bzw. einer lauwarmen Dusche oder lauwarmen Kompressen. Kompressen mit abgekühltem grünen Tee sind gut geeignet, da grüner Tee die Haut beruhigt und freie Radikale fängt. Sie können auch ein Haferflocken-Bad nehmen. Streuen Sie dazu ca. 40-50 g fein gemahlene Haferflocken in eine Badewanne mit lauwarmen Wasser und baden Sie ungefähr 15 Minuten.
  • Es hat den Anschein, dass eine hohe Dosis Vitamin D eine Stunde nach dem Sonnenbrand die Rötungen verringern und den Entzündungsprozess und Schäden verhindern kann. Das geht aus einer Studie hervor.
  • In den ersten Stunden nach dem Sonnenbrand können Sie auch Schmerzmittel wie die sogenannten NAS (Aspirin, Ibuprofen) einnehmen. Sie wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend.
  • Es ist davon abzuraten, mit sonnengeschädigter oder noch roter Haut erneut in die pralle Sonne zu gehen. Auch nicht mit einer dicken Schicht Sonnencreme. Und ein weißes T-Shirt schützt die Haut wirklich kaum. Gönnen Sie verbrannter Haut Zeit, sich zu regenerieren. Bleiben Sie schön im Schatten. Denken Sie daran, dass Sie Ihre Haut auch im Schatten mit Sonnencreme schützen müssen.

 

Herzliche Grüße

Jetske Ultee

Forschungsärztin kosmetische Dermatologie