• Cosmeceuticals

Der Unterschied zwischen Kosmetika und Cosmeceuticals

Um mein Wissen auf dem Gebiet der kosmetischen Dermatologie auf dem neuesten Stand zu halten, reise ich regelmäßig zu Kongressen ans andere Ende der Welt. Einer meiner Lieblingskongresse ist der jährliche Kongress der Amerikanischen Dermatologischen Vereinigung. Er findet in dem einen Jahr an der Westküste und im nächsten Jahr an der Ostküste der USA statt. Als ich vor über 15 Jahren diesen Kongress zum ersten Mal besuchte, konnte ich nicht glauben, was ich sah! Dermatologen in teurer Kleidung, die scharenweise von Frauen umringt wurden, die einige kosmetische Eingriffe zu viel über sich ergehen lassen hatten und Dermatologinnen (in Louboutins), die nach ihrem Make-up zu urteilen eher einem Hochglanzmagazin entsprungen zu sein schienen als einem Krankenhaus. Als ich mich am nächsten Tag etwas von den Eindrücken erholt hatte und die große Ausstellerhalle unter dem Kongress besuchte, verschlug es mir wirklich die Sprache. So weit das Auge reichte, gab es Stände mit Kosmetika: Die großen Marken waren vertreten, aber auch viele Marken, von denen ich noch nie etwas gehört hatte. Dabei handelte es sich um die solche Marken, die nach Ärzten wurden oder, wie ich damals lernte, „die Cosmeceuticals“. Und vor den Ständen standen Ärztefrauen und die bereits genannten Dermatologinnen auf ihren hohen Absätzen Schlange, um ein paar gratis Produkte ergattern zu können. Und ich kann Ihnen versichern, um dann mit einer Tüte mit ein paar Cremes nach Hause gehen zu können, waren die Damen alles andere als freundlich zueinander. Aus diesem Moment resultiert mein Entschluss, gründlich zu untersuchen, was an diesen Cosmeceuticals dran ist! Wirken sie wirklich besser als die gewöhnlichen Marken, die im Drogeriemarkt und in der Parfümerie erhältlich sind? Und worauf sollten Sie achten, wenn Sie beschließen, viel Geld für diese Produkte auszugeben?

Es begann mit Vitamin-A-Säure
1962 definierte Reymond Reed zum ersten Mal ein Cosmeceutical (Das können Sie einmal lesen, wenn Sie Zeit haben). Ende der 70er Jahre erlangte der Begriff unter dem Einfluss des Dermatologen Dr. Albert Kligman mehr Bekanntheit. Er entwickelte Retin-A, ein Präparat mit Vitamin-A-Säure, um Falten zu glätten. Die Wirkung dieses Mittels ging weiter als die eines gewöhnlichen Kosmetikprodukts, das „nur“ pflegt: Es handelte sich um ein Medikament. 1996 kamen dann die ersten Produkte, die Cosmeceuticals genannt wurden, auf den Markt.

Zwischen Kosmetika und Pharmazeutika
Man kann wörtlich sagen, dass Cosmeceuticals zwischen Kosmetika und Pharmazeutika beziehungsweise Medikamenten liegen. Cosmeceuticals versprechen, dass sie eine medikamentöse Wirkung haben, um Hautalterung und Hautprobleme zu bekämpfen. Aber ist das auch so? Dürfen sie das versprechen? Halten Sie es auch ein?

Was besagt das Gesetz
Laut Gesetz dürfen Kosmetika keine physiologischen Veränderungen in der Haut bewirken – was gelinde gesagt eine ziemlich vage Umschreibung ist, aber das nur am Rande. Cosmeceuticals werden von der europäischen Gesetzgebung nicht anerkannt und zählen darum trotzdem zu den Kosmetika. Und das beeinflusst die Testmethode der Produkte, die Begründung der Behauptungen und die Sprache auf der Verpackung. Und genau das macht es nun so schwierig.
Keine Aufsicht, keine Garantie
Da die Behauptungen von Cosmeceuticals genauso wenig beaufsichtigt werden wie die gewöhnlicher Kosmetikprodukte, können Konsumenten immer noch gehörig irregeführt werden. Dazu brauchen Sie sich nur einmal meine anderen Blogartikel über Stammzellen und Probiotika durchzulesen. Mit anderen Worten: Der Term Cosmeceuticals ist vor allem ein festes Marketingtool geworden. Damit will ich auf keinen Fall sagen, dass alle Cosmeceuticals unwirksam sind. Es bedeutet vor allem, dass Sie als Konsument Ihre Produkte kritisch auswählen müssen. Eine Marke, die den Term Cosmeceuticals führt, ist nicht immer eine Garantie für ein gutes, wirksames Produkt.

Oftmals tragen Cosmeceuticals den Namen eines Arztes. Lassen Sie sich nicht täuschen, Ärzte (sogar Dermatologen) wissen oftmals nicht viel von Kosmetika und kosmetischen Inhaltsstoffen und ich wage zu behaupten, dass die meisten Ärzte, die eine eigene Marke haben, eine fertige Formel bei einem Kosmetikhersteller gekauft haben! Ich habe genügend Beispiele gesehen.

Was darf behauptet werden
Dr. Zoe Diana Draelos beschreibt in einem Artikel, wie Behauptungen funktionieren:
Von Cosmeceuticals darf behauptet werden, dass sie die Erscheinung von Falten verringern, jedoch nicht, dass sie Falten verschwinden lassen. Das Aussehen zu verbessern, ist eine kosmetische Behauptung; Falten verschwinden zu lassen wäre eine medizinische. So können Cosmeceuticals auch den Teint aufhellen und zum Strahlen bringen, jedoch keine (abnormalen) Pigmentierungen behandeln – das wäre wieder eine medizinische Behauptung. Kosmetikprodukte werden nur auf ihr Vermögen hin getestet, das Erscheinungsbild der Haut zu verbessern, nicht auf die zugrunde liegende Wirksamkeit. Sollte das geschehen, würden die Produkte sofort zu den Medikamenten zählen.

Der Vorteil von ungenau
Es hat aber auch Vorteile, dass die Grenzen und Richtlinien etwas ungenau sind. Denn sonst würde eine Creme mit 5 % Niacinamid plötzlich nicht mehr rezeptfrei erhältlich sein.

In meiner idealen Welt…
In meiner idealen Welt wird deutlich zwischen Kosmetika und Cosmeceuticals unterschieden. Ein Produkt darf nur Cosmeceutical genannt werden, wenn es keinen Unsinn enthält – und damit meine ich reizende, nutzlose Inhaltsstoffe – sondern Stoffe, die wirklich etwas für die Haut bewirken können, wie Antioxidantien gegen die schädliche Strahlung der Sonne oder hoch konzentriertes Niacinamid, um die Talgproduktion fettiger Haut zu verringern.

Beispiele für Cosmeceuticals:
Kosmetikmarken wie beispielsweise Skin Medica, PCA Skin aber auch (meine Produktlinie) Uncover Skincare haben auf jeden Fall Produkte in ihrem Sortiment, die den Namen Cosmeceuticals verdienen.

Einige Beispiele von PCA Skin:
– Intensive Brightening Treatment (u.a. Retinol, Resveratrol und Niacinamid)
– Acne cream (u.a. Benzoylperoxid und Gluconolacton)
– Acne gel (u.a. Salicylsäure, Azelainsäure und Süßholzwurzel)

Einige Beispiele von Skin Medica:
– Lytera® Skin Brightening Complex (u.a. Niacinamid, Vitamin C, Hexylresorcinol und Süßholzwurzel)
– Glypro Antioxidant Serum (u.a. Glykolsäure, grüner Tee und Süßholzwurzel)
– Vitamin C+E Complex (u.a. Vitamin C und Vitamin E)

Einige Beispiele von Uncover Skincare:
Toner für normale – fettige Haut (u.a. Niacinamid, Süßholzwurzel und Evodia)
Exfoliant für normale – fettige Haut (u.a. Salicylsäure, Süßholzwurzel und Evodia)
Moisturizer für normale – trockene Haut (u.a. Vitamin C, Niacinamid, Vitamin E, Hyaluronsäure, Sodium PCA)

Herzliche Grüße

Jetske Ultee

(Dr. Jetske Ultee – Forschungsärztin kosmetische Dermatologie)