Update Melasmen: Welche neuen Behandlungsmethoden gibt es?

Ich falle mal gleich mit der Tür ins Haus: Ein Melasma oder auch Schwangerschaftsmaske genannt, ist eine sehr unschöne Pigmentstörung. Die bizarren, dunklen Flecken im Gesicht lassen sich wirklich sehr schwierig behandeln. Wenn Sie selbst betroffen sind, oder einen Betroffenen/eine Betroffene kennen, dann wissen Sie sofort, wovon ich spreche. Bislang zielen die meisten Behandlungsmethoden darauf ab, die Flecken zu „bleichen“. Und das gelingt manchmal nur zum Teil. Aber glücklicherweise wird immer weiter geforscht. Es gibt bzw. kommen auch andere interessante Möglichkeiten zur Behandlung von Melasmen, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.

Antihistaminika gegen Melasmen: Kann eine Allergietablette helfen?

Die Rolle von Mastzellen
Bei Histamin und Antihistamin denken Sie vielleicht an Heuschnupfen oder andere allergische Reaktionen. Und das ist auch richtig. Histamin ist ein Stoff, der von den Mastzellen abgegeben wird, wenn Sie mit einem Allergen oder körperfremden Stoff in Berührung kommen. Das kann über die Haut sein, oder auch über die Lungen oder den Darm, denn dort befinden sich die Mastzellen unter anderem. Das freigesetzte Histamin kann dann eine allergische Reaktion hervorrufen.

Aber what’s new? Es hat sich herausgestellt, dass das Histamin und die Mastzellen auch eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Melasmen spielen.

Kollagenabbau und absinkende Pigmente
Menschen, die von einem Melasma betroffen sind, haben besonders viele Mastzellen in der Dermis. Und die Mastzellen sind für verschiedene Dinge verantwortlich, die die Erkrankung zusammen beeinflussen. Zunächst sorgt Histamin aus den Mastzellen für die Bildung von Pigment. Andere Stoffe aus den Mastzellen verursachen wiederum eine Zunahme der Blutgefäße, die bei der Erkrankung sichtbar sind. Und dann gibt es noch Stoffe, die eine bestimmte Kollagenart abbauen. Es geht um das Kollagen IV, dass sich in der Basalmembran der Haut befindet. Das ist die Schicht zwischen der Oberhaut und der darunterliegenden Dermis. Da diese Schicht beschädigt wird, sacken die Pigmente aus der obersten Hautschicht in die tiefere Hautschicht. Und das ist der Grund, aus dem sich Melasmen so schwer behandeln lassen: Die Pigmente liegen ziemlich tief.

Kann ein Antihistaminikum helfen?
In neuen Studien wird jetzt geschaut, ob die Mastzellen daran gehindert werden könnten, so dass das Pigment nicht in die tiefere Hautschicht gelangt, sondern an der Oberfläche bleibt, wo es einfacher behandelt werden kann.

Vielleicht ist eine Art Antihistaminikum die Antwort darauf. Ein solches Mittel, dass man beispielsweise auch bei einer Allergie einnehmen kann, blockiert nämlich die Wirkung von Histamin aus den Mastzellen. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass dadurch die Pigmentbildung gebremst wird. Untersucht wird nun, ob und wie die Einnahme einer täglichen „Heuschnupfentablette“ gegen Melasmen hilft. Und dann natürlich ohne ungewünschte Nebenwirkungen auf andere wichtige Prozesse im Körper.

Tranexamsäure bei Melasmen

Ein anderes, relativ neues Mittel zur Behandlung von Melasmen ist Tranexamsäure. Nun ja, wirklich neu ist dieses Mittel nicht. Es geht nämlich um ein Medikament, dass die Blutgerinnung fördert. Das Mittel wird nun vor allem eingesetzt, um Blutungen zu verhindern und bei Menschen mit Gerinnungsstörungen (wenn diese beispielsweise operiert werden müssen) zu stoppen. Außerdem kommt es bei großem Blutverlust zum Einsatz.
Sie fragen sich jetzt vielleicht, was das mit Melasmen zu tun hat. Wie kann dieses Mittel bei Pigmentflecken helfen? Einfach gesagt, wirkt Tranexamsäure der Pigmentbildung entgegen, in dem sie ein bestimmtes Enzym hemmt. Zudem scheint der Stoff für eine Abnahme der Menge der Mastzellen sowie der Blutgefäße zu sorgen, die auch bei einem Melasma auftreten.

In den letzten Jahren gab es viele Studien zur Auswirkung und der besten Darreichungsform von Tranexamsäure bei Melasmen. In einer Creme, die auf die Haut aufgetragen wird, als Injektion oder als Tablette. Inzwischen hat es den Anschein, als ob die Einnahme eines tranexamsäurehaltigen Mittels am besten wirkt. Und ich weiß, dass es bereits in verschiedenen Kliniken verschrieben wird.

Bei Melasmen wird übrigens eine andere Dosis verwendet als zur Blutgerinnung. Es gibt auch einige Gründe, warum manche Menschen besser keine Tranexamsäure verwenden sollten. Konsultieren Sie (auch darum) immer einen Arzt!

 

Herzliche Grüße

Jetske Ultee

Forschungsärztin kosmetische Dermatologie