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Vitamin A – welches verwenden Sie?

Falten auf der Stirn? Krähenfüße oder hängende Wangen? Wegcremen lassen die sich leider nicht. Wirklich nicht. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Ihre Haut nicht mit der richtigen Hautpflege jünger aussehen kann. Mit etwas Durchhaltevermögen ist es wirklich möglich. Wussten Sie, dass Sie vor allem Pigmentflecken und ein matter gräulicher Teint älter wirken lassen?

Um zu verhindern, dass Sie ein Vermögen für sinnlose Produkte ausgeben, werde ich einige Blogartikel über Inhaltsstoffe schreiben, die nachgewiesenermaßen hautverjüngend wirken. Den Anfang macht ein Stoff, zu dem die meisten Studien durchgeführt wurden: Vitamin A.

Was bewirkt Vitamin A?

Es wurde eindeutig bewiesen, dass die rezeptpflichtige Vitamin-A-Säure hautverjüngend wirkt. Der Inhaltsstoff verbessert die Hautstruktur: Falten, die auf Sonnenschäden beruhen, nehmen in Anzahl und Tiefe ab. Vitamin-A-Säure stimuliert eine gesunde Zellteilung und die Bildung von Kollagen und Elastin. Dabei werden MMPs (Enzyme, die Kollagen und Elastin abbauen) gehemmt. Sehr wahrscheinlich verlängert Vitamin-A-Säure auch die Lebensdauer von Fibroblasten. Und als ob das noch nicht genug ist, kann sie auch noch störende Pigmentflecken verblassen lassen.

Die medizinische Form der Vitamin-A-Säure hat jedoch auch einen Nachteil: Sie kann die Haut erheblich reizen. In den letzten Jahren wurden jedoch auch viele Erkenntnisse zur Wirkungsweise verschiedener Varianten des Vitamins gewonnen. Die bekanntesten habe ich Ihnen hier aufgelistet. Was bewirken diese Stoffe für die Haut und wie viel muss Ihr Produkt enthalten?

Retinylpalmitat: die ineffektivste Form

Das ist meiner Meinung nach die ineffektivste Form von Vitamin A. Dieser Stoff muss dreimal in der Haut umgewandelt werden, bevor er wirken kann. Grob gesagt, gilt: Je öfter ein Stoff umgewandelt werden muss, desto unwirksamer ist er. Retinylpalmitat reagiert außerdem extrem sensibel auf Sonnenlicht. Unter dem Einfluss von Sonnenlicht verringert sich die Wirksamkeit nicht nur schnell, es können auch freie, schädliche Radikale in der Haut entstehen. Haben Sie ein Produkt mit Retinylpalmitat, sollten Sie es besser nur abends verwenden.

Trotz dieser Nachteile entscheiden sich viele Hersteller schließlich doch für diesen Stoff, da diese Variante wärmebeständiger ist als beispielsweise das bekanntere Retinol. Die Stabilität ist jedoch eingeschränkt: Die Haltbarkeit liegt in Studien bis maximal sechs Monate nach Produktion.

Sollten Sie diesen Stoff dennoch unbedingt verwenden wollen, wählen Sie dann ein Produkt, das auch Antioxidantien enthält. Und bedenken Sie: Je weniger Wasser das Produkt enthält, desto besser. Eine luftdichte Verpackung ist natürlich auch Bedingung. In etwas besseren Studien, in denen ein verjüngender Effekt nachgewiesen wurde, wurden Konzentrationen um die 1% verwendet. In Europa wird jedoch in Gesichtspflegeprodukten eine Konzentration von 0,3% empfohlen und es wird auch nicht mehr lange dauern, bis eine höhere Konzentration verboten wird.

Retinylpropionat: wenige Studien

Auch diese Form von Vitamin A muss dreimal in der Haut umgewandelt werden. Trotzdem scheint es eine bessere Wahl als Retinylpalmitat zu sein, da dieser Stoff leichter in die Haut eindringt. Das hängt wahrscheinlich mit der Molekülgröße zusammen. Für sensible Haut, die die anderen Derivate von Vitamin-A-Säure nicht verträgt, ist es möglicherweise eine gute Option. Zur Effektivität dieses Stoffes wurden jedoch erst wenige Studien durchgeführt. Die einzige unabhängige Studie an Menschen datiert aus dem Jahr 1988 und zeigte keine signifikante Wirkung bei Falten, bei Akne jedoch schon.

Retinol: nur frisch

Retinol kann hautverjüngend wirken. Von allen Formen Vitamin A, die in Kosmetika verwendet werden dürfen, wurde Retinol am besten untersucht. Der Haken an der Sache ist der, dass in den Studien „frisches“ Retinol in Konzentrationen von 0,4% bis über 1% verwendet wurde (was ungefähr zehn- bis zwanzigmal weniger wirksam ist als Tretinoin). Dafür gilt hierzulande genauso wie für Retinylpalmitat eine Obergrenze von 0,3% für Gesichtspflegeprodukte.

Hinzu kommt, dass die Wahrscheinlichkeit nicht sehr groß ist, dass das Retinol noch wirksam ist, wenn es in Ihrem Badezimmer steht. Diese Form von Vitamin A bewirkt nur etwas für Ihre Haut, wenn Sie es verwenden, bevor es oxidiert ist – und das geht unglaublich schnell. Der Stoff oxidiert nicht nur durch Luft und Licht, sondern auch durch Sonne, Wasser und sogar durch die Oxidation von Ölen. Wenden Sie Retinol darum auch nicht tagsüber an.

Mit verkapseltem Retinol erzielen Sie wahrscheinlich das beste Resultat. Enthält das Produkt dann auch noch etwas mehr Öl als Wasser sowie zusätzliche Antioxidantien, bleibt der Inhaltsstoff vielleicht einige Monate stabil – wenn er kühl bewahrt wird und gut verpackt ist. Bei verkapseltem Retinol ist es übrigens unmöglich, dem Produkt eine wirklich hohe Konzentration hinzuzufügen. Ist auf der Verpackung angegeben, dass das Produkt 1% verkapseltes Retinol enthält, dann enthält es wahrscheinlich nur 0,07% Retinol.

Unverkapseltes Retinol ist in der falschen Verpackung bei Zimmertemperatur manchmal bereits nach wenigen Tagen abgebaut. In einer guten Formel und verkapselt, können bei Zimmertemperatur nach einem Jahr noch 40 Prozent erhalten sein. Dann muss es sich aber von einer vollständig sauerstofffreien und geschützten Umgebung handeln. In einer anderen Studie waren von verkapseltem Retinol, das bei 4°C aufbewahrt wurde, nach drei Monaten nur noch 40 Prozent der Wirkstoffe übrig Bei Zimmertemperatur lag die Quote nur noch bei 20 Prozent. In einer einfachen Emulsion (Creme) war nach drei Monaten alles abgebaut. (siehe Studien 123)

Darum mein Rat: Lassen Sie Produkte mit Retinol besser stehen, wenn Sie nicht mit Sicherheit wissen, dass es auch frisch ist.

Retinaldehyd: theoretisch sehr wirksam

Retinaldehyd muss nur einmal umgewandelt werden, bevor es seine hautverjüngende Arbeit verrichten kann. Und das macht es in der Theorie wirksamer als Retinol. Ich sage bewusst „in der Theorie“, weil es noch nicht so lange bekannt ist und nur unzureichend untersucht wurde.

In zwei randomisierten Studien mit 229 bzw. 125 Teilnehmern erzielte 0,5% Retinaldehyd einen vergleichbaren Effekt wie 0,05% Tretinoin und verursachte weniger Reizungen. Es gibt nur wenige Studien zur Stabilität, es scheint jedoch stabiler zu sein als Retinol. Der Stoff ist trotz allem oxidationsfreudig, muss darum sicher in einem luftdichten Dispenser verpackt sein, kühl bewahrt und schnell nach der Produktion verwendet werden. Laut einer Studie lässt sich die Wirksamkeit von Retinaldehyd steigern, wenn es in Kombination mit Glykolsäure verwendet wird.

Retinyl retinoate: der Newcomer

Auch Retinyl retinoate ist eine neue Variante des Vitamins. Außer der Tatsache, dass sie nur einmal umgewandelt werden muss, wissen wir wenig über deren Effektivität und Stabilität im Vergleich zu Retinaldehyd. Die einzigen Studien wurden von den koreanischen Herstellern selbst durchgeführt. Retinyl retinoate ist aber stabiler als Retinol. Theoretisch sind beide Stoffe eine besser Wahl als Retinol und Retinylpalmitat.

Hydroxypinacolone retinoate: stabile, milde Form

Hydroxypinacolone retinoate ist eine der neuesten Formen von Vitamin A. Der Unterschied zu den eher besprochenen Stoffen liegt darin, dass es sich direkt an die Rezeptoren binden kann und genau wie Tretinoin direkt wirken kann. Aufgrund seines molekularen Aufbaus ist dieser Stoff viel stabiler und weniger reizend.

Es wurden jedoch bislang nur wenige Studien zu Hydroxypinacolone retinoate durchgeführt. Sie können viel mehr zur Wirkung finden, wenn Sie in medizinischen Artikeln zur Wirkung von picolinic acid-substituted  esters von 9-cis retinoic acid suchen (wie Hydroxypinacolone retinoate auch bezeichnet wird).

Aus derartigen Studien geht beispielsweise hervor, dass dieser Ester die Wundheilung beschleunigt und die Kollagenbildung stimuliert, den Elastin- und Kollagenabbau verhindert und die Bildung von MMPs verringert – und das ohne die Haut zu reizen.

Obwohl Hydroxypinacolone retinoate viel stabiler als die anderen Vitamin-A-Formen zu sein scheint, besteht auch hier die Gefahr der Oxidation.

Geduld …

Zum Schluss möchte ich noch einmal betonen, dass die Wirkung von Vitamin-A-Säure auch von Ihrer Haut abhängt. Die genaue Ursache ist noch unbekannt, manchmal muss man auch einfach probieren. Sie sollten dann Geduld haben, denn der wahre hautverjüngende Effekt tritt in der Regel erst nach vier bis sechs Wochen Anwendung auf.

Tipps:

  • Ein Produkt mit Vitamin-A-Säure muss luftdicht verpackt sein.
  • Vitamin-A-Säure ist stabiler, wenn sie weniger Wasser und mehr Öle/Silikone enthält. Wegen des Risikos der Oxidation sollte es jedoch besser kein hoch konzentriertes pflanzliches Öl sein.
  • Parfüm ist nicht nur schlecht für die Haut, sondern beeinflusst auch die Stabilität der Vitamin-A-Säure. Wählen Sie darum ein parfümfreies Produkt.
  • Entscheiden Sie sich für ein Produkt, das auch noch beruhigende Stoffe bzw. Antioxidantienenthält.
  • Je kühler Sie das Produkt aufbewahren, desto besser hält es sich.

 

Herzliche Grüße

Jetske Ultee

Forschungsärztin kosmetische Dermatologie