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Fünf Missverstandnisse über Kosmetik

Ich lese täglich die überraschendsten, verrücktesten oder spannendsten Artikel aus und über die Welt der Kosmetik. Mit den Neuheiten und Trends kann man kaum noch mitkommen und auch die Wissenschaft zum Thema Hautpflege steht nie still. Diese Liste mit den fünf hartnäckigsten Gewohnheiten der Konsumenten auf einer US-amerikanischen Website für die Kosmetikindustrie fand ich gut. Es bleibt nur zu hoffen, dass Hersteller darauf nicht zu sehr eingehen.

1. Erst mal riechen

So ziemlich das Erste, das jeder Konsument macht, wenn er etwas kaufen möchten, ist gut an einem Produkt zu riechen. Wir wollen nun einmal, das Kosmetika gut riechen. Obwohl bekannt ist, dass man Parfüm oder Fragrances wegen der hohen Wahrscheinlichkeit auf Reizungen besser nicht auf die Haut auftragen sollte, achtet jeder Kunde doch immer erst einmal auf den Duft. Der Duft einer Creme, Lotion oder eines Shampoos scheint einen großen Einfluss auf die Kaufentscheidung auszuüben. Und darauf stellen sich die Hersteller ein.

2. Schön viel Schaum

Ein Produkt, das schön schäumt und kräftig braust, wird im Allgemeinen als ein Produkt gesehen, das gut wirkt. So wird eine reich schäumende Shampoobehandlung beim Friseur schnell als wirklich luxuriöse Behandlung gesehen. Und ein Schaumbad ist natürlich kein Schaumbad, wenn sich keine volle Schicht großer weißer Flocken auf dem Wasser bildet. Und doch ist Schaum alles andere als ein Maßstab für die Wirksamkeit eines Wasch- oder Reinigungsproduktes. Es ist sogar so, dass von stark schäumenden Produkten für die Gesichtspflege abzuraten ist. Diese können die Haut stark austrocknen.

3. Je dicker, desto besser

Auch die Viskosität einer Creme, also die Zähflüssigkeit, wird von den meisten Konsumenten als Maßstab für die Wirksamkeit angesehen. Je dicker und cremiger eine Creme ist, desto reichhaltiger wird das Produkt wahrscheinlich sein. Das denkt man jedenfalls. Die Viskosität sagt jedoch letztendlich wenig darüber aus, wie nährend oder hydratisierend eine Creme ist. Das bestimmen vor allem die Inhaltsstoffe. Eine milchartige Creme kann schließlich besser hydratisieren als eine sehr reichhaltige. Und doch werden Produzenten genau aus diesem Grund dazu neigen, möglichst reichhaltige und cremige Moisturizer, aber beispielsweise auch Spülungen, herzustellen.

4. Leave on Kosmetik-Produkte dürfen mehr kosten

Konsumenten sind offenbar bereit, für sogenannte Leave on-Produkte mehr zu bezahlen als für Kosmetika, die ausgespült oder abgewaschen wird. Und das ist eigentlich ziemlich seltsam. Oft sind ausspülbare Produkte in viel größeren Verpackungen, enthalten mehr funktionelle Inhaltsstoffe und sind teurer in der Herstellung als die Leave on-Produkte. Vermutlich hat man bei der letzten Kategorie das Gefühl, dass sie länger wirken und darum auch mehr kosten dürfen.

5. Hohe Erwartungen bei Kosmetik

Konsumenten sind launisch und anspruchsvoll. Erfüllt ein Produkt nicht sofort sein Versprechen, dann suchen wir weiter. Und es wird eine ganze Menge versprochen. Es wäre schön, wenn Hersteller nicht noch mehr versprechen würden, um Konsumenten zu stimulieren, sondern ihre Versprechen wahr machen würden.

Herzliche Grüße

Jetske Ultee

(Dr. Jetske Ultee – Forschungsärztin kosmetische Dermatologie)