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Wie gut ist eine kalte Dusche?

Täglich kurz eine kalte Dusche ist gesund und führt zu weniger krankheitsbedingten Fehlzeiten, so eine Studie des Amsterdamer Krankenhauses AMC. Eher hatte sich bereits gezeigt, dass sich ein täglicher kalter Start günstig auf Depressionen auswirken kann. Aber was macht der Schwall kaltes Wasser eigentlich mit der Haut? Macht er Sie wieder straff und strahlend?
Erfrischende Neuigkeiten

In den Medien tauchte kürzlich ein erfrischender Bericht auf. Aus Studien des Academisch Medisch Centrum in Amsterdam unter gesunden Teilnehmern ging hervor, dass sich eine tägliche kurze kalte Dusche gesundheitsfördernd auswirkt: Sie sorgt nämlich für weniger krankheitsbedingte Fehlzeiten. Es war übrigens nicht so, dass plötzlich weniger Menschen krank wurden, sondern die Erkrankung verlief milder und kürzer bei der Gruppe der „Kaltduscher“. Offenbar wirkt sich kalt duschen positiv auf das Abwehrsystem aus. Wie das biologisch genau funktioniert, muss noch weiter untersucht werden. Die Wissenschaftler werden in einer weiteren Studie untersuchen, ob der Efffekt in der Gehirnaktivität messbar ist.

Kaltes Wasser und das Gehirn

Dass kaltes Wasser „etwas mit dem Gehirn macht“, wurde übrigens öfter untersucht, beispielsweise bei Depressionen. In einer Studie mit einer kleinen Gruppe Teilnehmer mit depressiven Beschwerden (keine schweren Depressionen) sorgte ein täglicher frischer Start im Badezimmer beispielsweise für eine Verbesserung des Gemütszustands. Kaltes Wasser, so lautete die Forschungshypothese, aktiviert das sogenannte sympathische Nervensystem und sorgt für eine Zunahme von unter anderem Noradrenalin im Blut, ebenso für eine erhöhte Abgabe von Noradrenalin im Gehirn. Dieses Hormon spielt unter anderem eine Rolle bei der Steuerung der Gefühle wie Niedergeschlagenheit und Depressivität. Dank aller Rezeptoren auf der Haut sorgt ein Schwall kaltes Wasser plötzlich für eine erhebliche Dosis Reize im Gehirn, wodurch ein antidepressiver Effekt erreicht werden kann. Stresshormone wie Noradrenalin werden übrigens auch schnell wieder abgebaut. Eine solche kalte Dusche ist vor allem ein Muntermacher.

Wie wirkt sich kaltes Wasser auf die Haut aus?

Über die Auswirkung von kalten (Wechsel-)Duschen auf die Haut und Hautbeschwerden wurde auch schon viel geschrieben – und behauptet. So soll kaltes Wasser dafür sorgen können, dass Poren kleiner werden und bleiben. Auch Wechselbäder, auch Hydrotherapie genannt, werden oft zur Verbesserung des Hautzustands angepriesen. Wechselduschen mit lauwarmem und warmem Wasser sollen die Durchblutung der Haut verbessern. Die Haut soll dadurch glatter und fester werden und Beschwerden wie Cellulitis bekämpft werden. Dazu habe ich doch wirklich eine andere Meinung.

Meiden Sie Wechselbäder für Ihr Gesicht

Um mit der Tür ins Haus zu fallen: Eigentlich rate ich von starken Temperaturunterschieden immer ab. Vor allem Menschen mit sensibler Haut und dann hauptsächlich mit Rosazea – und das betrifft doch circa 20 Prozent aller Frauen. Wechselbäder tun der Hautbarriere nämlich überhaupt nicht gut. Ich rate darum immer zu einer Duschtemperatur, die die um die Körpertemperatur liegt: nicht heißer und auch nicht viel kälter. Natürlich ist eine frische Dusche manchmal ziemlich erfrischend. Sie sollten dabei aber probieren, Ihre Gesichtshaut zu verschonen.

Kleine Poren durch Kälte?

Poren werden nicht einfach so kleiner durch Kälte. Die Größe dieser Öffnungen in der Haut zu den darunterliegenden Talg- und Schweißdrüsen ist größtenteils genetisch bestimmt. Poren können jedoch (bleibend) vergrößert oder ausgedehnt sein durch beispielsweise langanhaltende Verstopfungen wie bei Akne. Die Hautöffnungen enthalten jedoch keine Muskeln: Poren können also nicht einfach so durch beispielsweise Temperatur ihre Größe verändern. Für Wärme gilt also umgekehrt, dass sie nicht einfach so die Poren vergrößert. Es ist jedoch so, dass Kälte und Wärme dafür sorgen können, dass die Talg- und Schweißdrüsen weniger oder mehr arbeiten. Zudem haben Studien gezeigt, dass die Durchlässigkeit der Haut durch warmes Wasser zunimmt, wodurch Hautpflegeprodukte leichter aufgenommen werden können. Ich bin jedoch kein Befürworter von zu warmem Wasser im Gesicht. Es kann die Haut stark austrocknen.

Kalte Dusche spült Cellulite nicht weg

Und wie sieht es mit der Cellulite an den Beinen aus? Erwarten Sie nicht zu viel Wunder von Saunen, Thermen und – auch oft gehört – Massagen. Cellulite entsteht durch eine Kombination vieler Faktoren: eine dünne tiefe Hautschicht, eine unregelmäßigere Struktur der Faszien und eine Zunahme von lokalem Unterhautfett. Um bei der Metapher der Orange zu bleiben: Cellulite ist wie eine weiche Orange, die durch ein Netz mit hier und da etwas zu großen Löchern gedrückt wird. Um Fett zu verbrennen und das Bindegewebe zu stärken bedarf es leider mehr als lediglich der Stimulation der Blutgefäße durch Wechselbäder.

Herzliche Grüße

Jetske Ultee

(Dr. Jetske Ultee – Forschungsärztin kosmetische Dermatologie)

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