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Verursacht Sonnencreme Beschwerde wie Pickel?

Ich werde oft gefragt, ob man von Sonnencreme Beschwerde wie Pickel bekommen kann. Wirkt sich die Sonne nun gut oder schlecht auf Akne aus? Es scheint nämlich so, als ob die Beschwerden im Sommer abnehmen. Stimmt das?

Sonnenlicht kann sich sowohl positiv als auch negativ auf Akne auswirken. Und dann auch wieder bei jedem anders. Bestimmte Wellenlängen des Sonnenlichts töten nämlich effektiv die P. acnes-Bakterien ab, die eine wichtige Rolle bei Hautentzündungen spielen. Sonnenlicht unterdrückt zudem das Immunsystem. Auch das kann zu einer leichten Verbesserung der Haut führen, da die Entzündungsprozesse etwas abklingen. Und schließlich kaschiert eine gebräunte Haut natürlich sehr viele Makel wie die Rötungen von Pickeln.

Nachteile überwiegen bei Sonne

Und doch wiegen die Nachteile der Aussetzung an Sonnenlicht schwerer als die Vorteile. Ultraviolette Strahlung schädigt die DNA der Hautzellen, ist für Falten und Altersflecken verantwortlich und kann schließlich auch noch Hautkrebs verursachen. Außerdem sorgt das Bräunen der Haut (was eigentlich eine Schutzreaktion ist) dafür, dass das Stratum corneum (die oberste Schicht der Oberhaut) dicker wird. Diese zusätzliche Belastung der Hautzellen sorgt wiederum für Verstopfungen in den Follikeln und damit für Pickel. Es gibt auch Hinweise darauf, dass Sonnenlicht die Talgproduktion stimuliert.

Es ist nicht verwunderlich, dass wir gerade im Oktober die meisten Fragen zu einer Beschwerde wie Akne bekommen. Die Betroffenen haben sich im Sommer viel in der Sonne aufgehalten und einige Wochen später nehmen ihre Akne-Beschwerden (wieder) zu.

Sonnencreme und Pickel

Die Verwendung von Sonnencreme ist für jeden wichtig, für Menschen, die von Akne betroffen sind, jedoch noch wichtiger. Die meisten Akne-Behandlungen beeinflussen die Haut, sodass sie besonders sensibel auf Sonnenlicht reagiert. Dabei können Sie an Antibiotika, Retinoide und Benzoylperoxid denken. Eincremen muss also sein. Aber welche Sonnencreme sollte man verwenden ohne weitere Pickel zu bekommen?

Verschiedene Theorien

Es gibt verschiedene Theorien wie Pickel durch Sonnencreme entstehen. Die bekannte US-amerikanische Dermatologin Dr. Leslie Baumann sagt, dass Pickel vor allem durch chemische UV-Filter hervorgerufen werden. Diese Filter schützen Ihre Haut nämlich durch Absorption des Sonnenlichts. Das sorgt für Wärmeenergie in der Haut. Bei Akne-empfindlicher Haut kann diese Wärme 24 bis 48 Stunden später für Pickel sorgen. Das würde erklären, warum es mit physikalischen Filtern oft keine Probleme gibt: Diese Filter reflektieren nämlich das Sonnenlicht. Moderne UV-Filter, wie Tinosorb, machen übrigens beides: absorbieren und reflektieren.

Reizung der Follikel

Die kosmetische Dermatologin Zoe Draelos vertritt die Theorie, dass UV-Filter und die Inhaltsstoffe, die in Kombination mit diesen UV-Filtern verwendet werden, die Follikel nicht gut atmen lassen und reizen, was zur Entstehung von Pickeln führt. Wenn Sie innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach Auftragen der Sonnencreme Pickel bekommen, dann handelt es sich nicht um Akne, sondern eher um gereizte Follikel. Die Pickel sind dann etwas kleiner, rot und sind manchmal mit gelbem oder weißem Eiter gefüllt.

Verstopfte Poren

Entstehen die Pickel nach etwas längerer Zeit und befinden sie sich etwas tiefer in der Haut (oft auch in Kombination mit Mitessern), dann verursachen vermutlich die UV-Filter oder andere Inhaltsstoffe der Creme die verstopften Poren. Talg und Hautschüppchen reichern sich an und Bakterien in den verstopften Poren können dann Entzündungen hervorrufen. Viele UV-Filter sowie die Stoffe, die in Kombination mit UV-Filtern verwendet werden, lassen die Haut nicht atmen und führen nach einiger Zeit zu Problemen.

Pityrosporum Folliculitis

Zudem beobachte ich im Sommer oft Ausbrüche von der Beschwerde Pityrosporum folliculitis. Die Kombination von Wärme und Cremes, die die Haut nicht atmen lassen, begünstigt das schnelle Wachstum des Pilzes, der zur Entstehung von vielen kleinen Pickeln führt, die auch mit Juckreiz verbunden sein können. Diese kann man leicht mit einem pilzabtötenden Mittel behandeln.

Tipps bei „Sommerpickeln“

Kurz gesagt: Es ist nicht sehr einfach, die genaue Ursache Ihrer „Sommerpickel“ zu ergründen. Oftmals spielen mehrere Faktoren eine Rolle bei der Beschwerde.
Meine Tipps:
• Kaufen Sie auf jeden Fall ein Produkt mit sicheren UV-Filtern, die die Haut so wenig wie möglich reizen.
• Achten Sie auch auf andere Inhaltsstoffe in Sonnencremes. In meinem Hautbuch finden Sie eine Liste mit Stoffen, die Sie bei Akne-empfindlicher Haut besser meiden sollten. Einige Produkte enthalten Kokos- und Traubenkernöl, die Sie jedoch lieber stehenlassen sollten, wenn Sie schnell Pickel bekommen. Meiden Sie auch Produkte, die eine hohe Konzentration Alkohol enthalten.
• Je fettiger und schwerer eine Sonnencreme, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Probleme auftreten. Tragen Sie lieber öfter ein etwas leichteres Produkt mit einem niedrigeren UV-Filter auf als ein schweres Produkt mit einem hohen LSF. Auch wasserfeste und sogenannte „all day“-Produkte sind problematisch.
• Testen Sie eine neue Sonnencreme erst einige Tage auf einem kleinen Hautareal vor Ihrem Ohr.
• Vergessen Sie schließlich nicht, Ihre Haut jeden Abend sehr gründlich zu reinigen, wenn Sie Sonnencreme aufgetragen haben. Verwenden Sie dafür einen äußerst milden Cleanser.

Herzliche Grüße

Jetske Ultee
(Dr. Jetske Ultee – Forschungsärztin kosmetische Dermatologie)

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