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Aloe vera in Ihren Hautpflegeprodukten

Nach einer langen Fernreise mit meinem Mann und den Kindern (ich Glückliche), arbeite ich jetzt wieder hinter meinem Computer. Während des Urlaubs konnte ich meine Arbeit aber nicht ganz loslassen. Ob im Dschungel von Indonesien, im Outback von Australien oder auf einer abgelegenen Insel im Pazifik – nichts ist schöner, als von den Einheimischen zu hören, welche Salben und Pflanzen sie zur Hautpflege verwenden. Wie Willy Wonka aus „Charlie und die Schokoladenfabrik“ bin ich mit einer Menge Informationen nach Hause gekommen. Im Gegensatz zu Willy Wonka habe ich das „Wundermittel“ jedoch leider noch nicht gefunden! Meine Kinder waren aber der Meinung, dass sie es gefunden hatten. Nachdem einer der Einheimischen unseren Kindern vorgeführt hatte, wie man den Blattsaft der Aloe vera auf einer Wunde verwenden konnte, war keine Pflanze mehr vor ihnen sicher! Sollte die Aloe vera plötzlich zu den bedrohten Pflanzenarten gehören – ich weiß von nichts …

Hier wächst die Aloe vera zwar nicht am Straßenrand, aber wir sehen sie oft in den Regalen der Drogerie oder Parfümerie. Und auf der Verpackung wird natürlich Großartiges versprochen. Ist die Aloe vera aber tatsächlich eine magische Pflanze?

Die Aloe vera gehört zu den Liliengewächsen, sieht aber eher aus wie einen Kaktus. Sie besteht zu 95 Prozent aus Wasser und zu 5 Prozent aus Wirkstoffen (unter anderem Vitaminen, Mineralien und Antioxidantien). Die Pflanze wächst in trockenen, steinigen Gebieten mit einem warmen Klima wie man sie in Asien, Amerika und in den Ländern rund um das Mittelmeer findet. Sie wird oft in Kosmetik verwendet, zum Beispiel in vielen Aftersun-Produkten. Der für Kosmetikprodukte verwendete Teil stammt aus dem Blattinneren der Aloe vera, dieses schleimige Gewebe nennt man Aloe-vera-Gel.

Was bewirkt Aloe vera?

Aloe vera ist schon sehr lange als Heilpflanze bekannt. Es gibt mehr als 400 Sorten, von denen nur einige heilende Kräfte haben. Aloe barbadensis Miller wird als eine der wirksamsten Sorten betrachtet und wurde auch am besten untersucht. Diese Sorte wird auch in Kosmetik verwendet. Aloe vera werden viele positive Eigenschaften zugeschrieben. So soll sie:

  • bei Hautproblemen wie Akne, Ekzemen und Psoriasis helfen.
  • vor Hautalterung schützen.
  • bei Insektenstichen, kleinen Brandwunden und Sonnenbränden helfen.
  • die Haut beruhigen und Hautreizungen verringern.
  • pilztötende, antivirale und antibakterielle Eigenschaften haben.

Eine Wunderpflanze

Deshalb verstehe ich, dass man Aloe vera auch die „Miracle Plant“ und die „The Healing Plant“ nennt. Wie bereits gesagt, besteht Aloe vera aber nur zu 5 Prozent aus Wirkstoffen. Die folgenden Stoffe können der Haut tatsächlich nutzen:

Die Vitamine A, C und E in dieser Pflanze können die Anti-Aging-Eigenschaften und ihre heilende Wirkung auf beschädigter Haut erklären. Diese Vitamine sind Antioxidantien und neutralisieren freie Radikale. Darüber können Sie mehr ind en Blogartikeln über Antioxidantien in einer Creme und die Kombination der Vitamine C und E lesen.

Das Gel der Aloe-vera-Pflanze enthält eine geringe Konzentration Anthrachinon. Anthrachinon wirkt schmerzlindernd, ist antibakteriell und pilztötend, hoch konzentriert ist es toxisch.

Die Sterole (Lupeol, Campesterol und β-Sitosterol) und Polysaccharide (Pektine, Hemicellulose, Glucomannane, Acemannane und Mannose Derivate) in dieser Pflanze haben auf der Haut eine antiinflammatorische (entzündungshemmende) Wirkung. Diese Stoffe können die Haut beruhigen und helfen, Reizungen zu verringern. Auch Substanzen wie Aminosäuren, Lipide, Tannine und verschiedene Enzyme tragen zur Wirkung von Aloe vera bei.

In einer Studie zur Behandlung von milder bis mittlerer Akne wurde die kombinierte Anwendung von Aloe vera (in einer Konzentration von 50 Prozent) und Tretinoin 0,05 Prozent (Vitamin-A-Säure) mit der alleinigen Anwendung einer Tretinoin-Creme verglichen.
Die Behandlung mit der Kombination beider Inhaltsstoffe stellte sich als wirksamste heraus.
Aus einer anderen Studie ging jedoch hervor, dass die Behandlung, bei der Aloe vera als einziger Stoff auf die Haut aufgetragen wurde, Akne nicht verbesserte.

Obwohl noch weitere placebokontrollierte Studien notwendig sind, um die Wirkung von Aloe vera wirklich nachzuweisen, deutet bislang alles darauf hin. Glücklicherweise schadet es abgesehen von einer gelegentlichen allergischen Reaktion auch nicht!

Im Notfall …

Es hört sich alles sehr positiv an, aber Aloe vera im Geschäft wirkt höchstwahrscheinlich nicht wie in den Studien beschrieben. Schlimmer noch, Studien zeigten, dass man den Großteil der kommerziell erhältlichen Produkte eigentlich sofort wegwerfen kann ( Quality and authenticity of commercial aloe vera gel powders; A. Bozzi 2007 ). Viele Hersteller verwenden schlechte oder stark verdünnte Grundstoffe (natürlich aus Kostengründen). Wenn schon gutes frisches Aloe-vera-Gel verwendet wurde, ist es trotzdem noch fraglich, ob es in dem Moment, in dem es in Ihrem Warenkorb landet, auch wirklich noch Wirkstoffe enthält. Denn diese sind sehr empfindlich und verlieren schon schnell ihre Wirksamkeit. Möchten Sie es doch ausprobieren, entscheiden Sie sich dann für ein pures Gel und verzichten Sie auf die Extrakte. Bei wissenschaftlichen Studien wird eigentlich immer nur frisches Aloe-vera-Gel verwendet. Ich werde eine Pflanze auf die Fensterbank stellen. Dann brauche ich im Notfall bei der nächsten Knieverletzung eines meiner Kinder nur ein Blatt abzubrechen und fertig!

Herzliche Grüße
Jetske Ultee

(Dr. Jetske Ultee – Forschungsärztin kosmetische Dermatologie)

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