Ätherische Öle sind hochkonzentrierte Destillate oder Säfte aus Pflanzen und Blüten. Sie werden in Kosmetika als Duftstoff oder Konservierungsmittel eingesetzt, Sie können sie in der Luft zerstäuben, aber sie werden auch verkauft, um direkt auf die Haut aufgetragen zu werden. Was ich davon halte, durfte ich vergangenen Monat in einer überregionalen Zeitung erklären. Und das tue ich hier gerne noch einmal, denn über diese Stoffe gibt es viel zu erzählen. Sie duften angenehm und können manchmal mehr bewirken – aber Sie müssen wirklich vorsichtig mit ihnen sein.
Was sind ätherische Öle?
Ätherische Öle sind also Mischungen, die aus Wurzeln, Blättern, Blüten, Früchten, Stielen, Härchen und Samen von Pflanzen gewonnen werden. Mithilfe von Pressung, Extraktion oder Wasserdampf werden die Stoffe aus der Pflanze „herausgeholt“. Für eine kleine Menge ist oft bereits viel pflanzliches Material nötig. Die Ölmischungen sind daher stark konzentriert und kostbar.
Warum „essentielle“ Öle?
Ätherische Öle werden auch oft essentielle Öle genannt. Essentiell sind sie für uns jedoch eigentlich nicht. Menschen benötigen diese Stoffe nicht so, wie das bei essentiellen Aminosäuren oder Fettsäuren in unserer Ernährung der Fall ist, weil wir diese nicht selbst bilden können. Essentiell leitet sich von „Essence“ ab (wörtlich ein konzentrierter aromatischer Auszug von Duft- oder Geschmacksstoffen), weil man früher dachte, dass diese Öle die wahre Essenz von Duft und Geschmack darstellen.
Das Risiko für Reizungen und Ekzeme ist ziemlich hoch
Warum müssen Sie nun so vorsichtig mit ätherischen Ölen sein? Weil diese Öle hochkonzentrierte Mischungen aus Duftstoffen sind. Und diese Stoffe können leider recht leicht zu Hautreizungen, Allergien und Ekzemproblemen führen.
79-mal aufpassen
Von nicht weniger als 79 ätherischen Ölen ist inzwischen beschrieben, dass sie unangenehme allergische Reaktionen auslösen können. Dazu gehören auch beliebte Öle wie Ylang-Ylang, Lavendel, Pfefferminze und Rose.
Manche Öle reagieren mit Sonnenlicht
Einige ätherische Öle sind außerdem phototoxisch. Das bedeutet, dass sie in Kontakt mit Sonnenlicht eine ungünstige Reaktion in der Haut eingehen und so unsichtbare Schäden verursachen können. Das gilt insbesondere für die Zitrusvarianten.
Mit Zitrusölen nicht in die Sonne
Beispiele für lichtempfindliche Zitrusöle sind Grapefruit, Lemon, Lime, Bergamotte, Tangerine und Orange. Es ist wichtig, dass Sie nach dem Auftragen dieser Öle für 12 Stunden direkte Sonnenbestrahlung vermeiden.
Wer bekommt Hautreaktionen?
Hautreizungen und Allergien treten vor allem bei Menschen auf, die viel mit diesen Produkten arbeiten, zum Beispiel beim Geben von Massagen auf Basis ätherischer Öle. Aber auch „normale“ Anwenderinnen und Anwender, die nur ein paar Tröpfchen benutzen, können bereits schlecht reagieren oder eine Allergie entwickeln. Bei Anwendung auf der Haut sollten Sie das Öl deshalb eigentlich immer verdünnen.
So wird verdünnt
Ein ätherisches Öl können (nein, müssen) Sie verdünnen. Das tun Sie nicht mit Wasser, sondern mit einem Trägeröl, zum Beispiel Jojobaöl, Mandelöl oder Traubenkernöl. So senken Sie das Risiko auf Hautreizungen.
Ein einziger Tropfen kann bis zu sechzig Duftstoffe enthalten
Ätherische Öle bestehen aus 50 bis 250 (Duft-)Grundstoffen. Kein ätherisches Öl ist identisch zusammengesetzt. Ein Öl kann manchmal bis zu sechzig verschiedene Bestandteile enthalten. Ein ätherisches Öl ist also immer schon eine Mischung, selbst wenn der Name nur einen Hauptbestandteil vermuten lässt. Man kann jedoch sagen, dass sie in der Regel zwei bis drei Bestandteile in hoher Konzentration (20–70 %) enthalten. So kann ein essentielles Korianderöl fast 70 % Linalool enthalten. Linalool ist ein Duftstoff und ein sehr bekanntes Allergen.
Kosmetikhersteller sind verpflichtet, das Vorhandensein von Linalool in Parfum oberhalb eines Grenzwertes auf dem Etikett zu deklarieren, damit Verbraucherinnen und Verbraucher mit einer Allergie das Produkt meiden können. Dann muss neben „Fragrance“ auch „Linalool“ auf der INCI-Liste stehen.
In einer durchschnittlichen Körpercreme sind oft nur etwa 0,5 bis 1,5 % Parfum enthalten.
Jetzt verstehen Sie vielleicht noch besser, warum Sie mit einem Tropfen reinen ätherischen Öls so vorsichtig sein müssen.
Teebaumöl und andere Beispiele für die Anwendung auf der Haut
Ich selbst verwende in meinen Produkten also keine ätherischen Öle (als Duftstoff oder Konservierungsmittel). Das heißt aber nicht, dass ich grundsätzlich gegen den Einsatz dieser Produkte auf der Haut bin. Es gibt Öle, die bei bestimmten Beschwerden tatsächlich etwas bewirken können. Teebaumöl (Tea Tree Oil) ist ein gutes Beispiel dafür; ich habe dazu selbst auch Forschung betrieben. Dieses Öl hat entzündungshemmende, antibakterielle und pilzhemmende Eigenschaften und wird deshalb unter anderem bei Akne- und Rosaceabeschwerden eingesetzt. Gehen Sie damit aber wirklich vorsichtig um und verwenden Sie es immer verdünnt! Zum Beispiel mit Jojobaöl im Verhältnis 1 zu 3. Aber nochmals: Selbst bei verdünnten Lösungen besteht immer noch ein hohes Risiko für Hautreizungen.
Ätherische Öle für zu Hause
Ätherische Öle sind auch für den Einsatz zu Hause sehr beliebt. Und das nicht nur wegen ihres Duftes. Den Ölen werden nämlich auch zahlreiche positive mentale Effekte zugeschrieben. So soll Lavendel beruhigend wirken und dabei helfen, besser und ruhiger einzuschlafen. Citrusöle hingegen sollen belebend wirken.
Sie können ätherisches Öl in einer Aromalampe mit einem Teelicht darunter verwenden. Oder Sie zerstäuben das Öl mithilfe eines Diffusers. Der Duft der Öle wird manchmal auch direkt aus dem Fläschchen inhaliert. Manche Menschen tun das zum Beispiel, um ruhiger zu werden, wenn sie etwas Aufregendes vor sich haben. Außerdem weiß ich, dass Tröpfchen dieser Öle auch zum Inhalieren bei Erkältung eingesetzt werden.
Ich bin keine Aromatherapeutin, deshalb möchte ich mich hier auf Ratschläge für die Haut beschränken. Ich weiß allerdings, dass Menschen, die auf einen Stoff im Öl allergisch reagieren, plötzlich auch heftige Reaktionen allein durch das Einatmen bekommen können. Und manchmal ist zunächst gar nicht klar, dass die Beschwerden von diesem angenehmen Duft im Haus ausgelöst wurden.
Achten Sie immer auf Oxidation – diese Öle sind sehr empfindlich
Noch ein letzter Hinweis zur Anwendung auf der Haut: Ätherische Öle sind per Definition sehr empfindlich gegenüber Oxidation. Die Öle haben ein Haltbarkeitsdatum, aber die Art der Lagerung kann großen Einfluss darauf haben, wie schnell ein Öl verdirbt. Wenn die Inhaltsstoffe oxidieren, kann das wiederum zu Hautreizungen führen. Bewahren Sie diese Produkte daher immer an einem dunklen, kühlen Ort auf und stellen Sie sie nicht auf die Fensterbank. Wenn Sie ein neues Fläschchen Öl öffnen, notieren Sie zum Beispiel das Datum auf dem Etikett. So wissen Sie genau, wie lange Sie das Öl bereits verwenden. Faustregel: Nach dem Öffnen ist es 12 Monate haltbar.