Haben Sie schon einmal Hibiskustee getrunken? Ich finde diese rote Farbe immer so schön. Und auch der Geschmack ist besonders: leicht säuerlich, ein bisschen wie Cranberry. Hibiskustee gilt oft als eine Art Powerdrink: gut für Ihre Blutgefäße, Ihren Stoffwechsel, Ihren Energiehaushalt, Ihre Haut … Was stimmt davon eigentlich? Kann Hibiskustee Ihre Haut wirklich jünger machen? Und hatten wir nicht schon Matcha?
Was ist Hibiskustee eigentlich?
Hibiskustee wird aus dem Blütenkelch der Pflanze Hibiscus sabdariffa hergestellt, sie wird auch Roselle genannt. Der Blütenkelch steckt voller Pigmente, Polyphenole und Anthocyane; das sind Stoffe mit einer starken antioxidativen Wirkung. Das erklärt sofort die besondere Farbe und einen großen Teil der Gesundheits-Claims.
Hibiskustee und Gesundheit: Was wissen wir?
Es gibt ziemlich viel Forschung zu Hibiskus als Getränk, vor allem zu den Effekten auf (hohen) Blutdruck und andere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In verschiedenen Studien zeigte sich, dass Hibiskusgetränke den Blutdruck etwas senken können und auch günstige Effekte auf das sogenannte schlechte Cholesterin haben können – insbesondere bei Menschen mit leicht erhöhten Werten. Außerdem gibt es aus Laborstudien Hinweise darauf, dass Hibiskustee günstig für Ihren Darm sein kann. (Zwischen zwei Klammern: Grüner und schwarzer Tee zeigen in Studien ebenfalls moderate Blutdrucksenkungen, aber diese Effekte scheinen weniger stark zu sein als bei Hibiskus.) Das ist natürlich schon sehr erfreulich – aber wie sieht es mit der Haut aus? Was kann Hibiskus für Ihre Haut tun?
Was sagt die Forschung über Hibiskus und die Haut?
Wenn man sich all die schönen Inhaltsstoffe in Hibiskus ansieht, bringt diese Pflanze genug Eigenschaften mit, um die Haut zu schützen, zu beruhigen und zu hydratisieren. Leider gibt es noch nicht sehr viele Studien zum Effekt von Hibiskustee auf die Haut, aber ich bin auf zwei interessante und gut angelegte Studien gestoßen. In einer Studie tranken Teilnehmende täglich ein standardisiertes Roselle-Getränk (vergleichbar mit einem starken Hibiskustee). Nach sechs Monaten wurden Verbesserungen bei Hautfeuchtigkeit und Rötungen beobachtet. In der anderen Studie erhielten die Probanden täglich ein spezielles Hibiskusextrakt. Auch hier sahen die Forschenden nach zwölf Wochen deutliche Verbesserungen bei Hydratation, Elastizität, Feuchtigkeitsverlust und Faltentiefe.
Wie viele Tassen Hibiskustee braucht man dann?
Wie viele Tassen Tee Sie dann täglich trinken müssten, fragen Sie sich natürlich. Genau hier liegt die Schwierigkeit: Die schönen Effekte, die in Haut- und Gesundheitsstudien gesehen wurden, wurden fast immer mit stark konzentrierten Getränken oder Hibiskuspräparaten erreicht. Die Mengen an Antioxidantien, die man dabei aufnimmt, bekommen Sie leider nicht mit einem normalen Löffelchen oder Teebeutel Hibiskustee. Dafür bräuchten Sie Nahrungsergänzungsmittel oder sehr viel – und sehr starken – Hibiskustee. Und das ist wiederum keine gute Idee, wenn Sie zum Beispiel ohnehin einen niedrigen Blutdruck haben oder blutdrucksenkende Medikamente einnehmen.
Erwarten Sie keine Verjüngungskur
Frischer Hibiskustee liefert Ihnen kurz gesagt eine ordentliche Portion Antioxidantien und natürlich Flüssigkeit. Außerdem ist eine Tasse Tee ein Moment der Ruhe. Alles Dinge, die Ihrer Haut guttun. Trinken Sie normale Mengen, etwa zwei bis drei Tassen pro Tag, dann tun Sie Ihrer Haut sicher etwas Gutes – aber erwarten Sie keine Verjüngungskur. Dafür sind meist Extrakte nötig.
Und wie steht es um andere Teesorten und die Haut?
Sollten Sie dann nicht lieber grünen Tee wählen? Oder Matcha? Was machen diese Teesorten für Ihre Haut?
Grüner Tee
Grüner Tee ist eine der am besten untersuchten Teesorten – auch hinsichtlich der Effekte auf die Haut. Aus Studien wissen wir, dass grüner Tee die Haut vor UV-Strahlung schützen kann und Rötungen nach einem Sonnenbrand vermindern kann. Außerdem wurde in Studien gesehen, dass grüner Tee die Hautelastizität und Hydratation verbessern kann und zudem entzündungshemmend wirkt. Aber auch hier gilt: Positive Hautergebnisse sieht man fast immer bei hohen Dosen eines Extrakts.
Matcha
Matcha ist pulverisierter grüner Tee. Matcha enthält deutlich mehr Antioxidantien als normaler grüner Tee, weil Sie bei Matcha das gesamte fein gemahlene Teeblatt trinken und nicht nur den Aufguss. Trotz einer langen Liste an Gesundheitsversprechen und Beauty-Claims fehlen jedoch weiterhin gute Hautstudien zu diesem beliebten Getränk.
Weißer Tee
Weißer Tee ist schließlich der „purste“ Tee und enthält dadurch viele Antioxidantien – manchmal sogar mehr als grüner Tee. Es gibt jedoch noch keine guten Hautstudien, in denen Menschen über einen längeren Zeitraum weißen Tee bekommen haben.
Tee-Extrakte in Ihrer Hautpflege
Es wird Sie nicht überraschen, dass Hibiskus dank seiner besonderen Antioxidantien als Inhaltsstoff häufig in Hautpflegeprodukten zu finden ist. Schaut man jedoch auf die Evidenz in Skincare, schneidet Grüntee-Extrakt besser ab. Dazu gibt es schlicht mehr und bessere Forschung. Daraus geht hervor, dass aktive Stoffe in grünem Tee (vor allem EGCG) die Haut vor oxidativem Stress schützen, Rötungen reduzieren und die Hautbarriere unterstützen können.
Rot, weiß … blau
Ich verwende Grüntee-Extrakt daher auch in vielen Produkten. Und außerdem genieße ich sehr gern eine Tasse Tee. Grün, weiß oder rot … Was ebenfalls lecker ist und reich an Antioxidantien: Butterfly-Pea-Tee. Ich bin gespannt, was Sie von dieser Farbe halten!