Fakten und Mythen

Das sollten Sie über Ihre Achseln wissen

Door: Dr. Jetske Ultee
Das sollten Sie über Ihre Achseln wissen


Wie war das noch einmal mit Achselgeruch? Warum riechen manche Menschen deutlich stärker als andere? Welche Rolle spielen Hygiene und Bakterien dabei? Und was kann ein Deo leisten? Darüber kursieren heimlich viele Missverständnisse … Ich erkläre Ihnen, was stimmt und was nicht.


 
Vielleicht wussten Sie es schon: Ihr Schweiß selbst riecht nicht. Es sind die Bakterien in Ihren Achseln, die den Geruch verursachen. Wussten Sie auch, dass es bis zu 100 verschiedene Arten sind, die dazu beitragen? Sie tragen nicht alle davon in sich – jede Person hat ihre eigene Zusammensetzung. Das nennt man das persönliche Mikrobiom. Das bedeutet allerdings nicht, dass Ihre persönliche „Tierwelt“ oder Ihr Körpergeruch unveränderlich ist.

Hautbakterien leben auch in der Haut

  • → Stimmt

Lange Zeit dachte man, dass sich das Mikrobiom nur auf der Hautoberfläche befindet. Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass viele Bakterienarten auch in der Haut leben. Zum Beispiel in den Haarfollikeln, in Poren und Schweißdrüsen – und in den tieferen Hautschichten. Das erklärt, warum Achselgeruch oft direkt nach dem Waschen wieder wahrnehmbar ist. Und hoffentlich kann ich damit auch das Missverständnis entkräften, dass übler Körpergeruch automatisch mit schlechter Hygiene zu tun hat …

Unangenehmer Körpergeruch kommt von schlechter Hygiene

  • → Stimmt nicht!

Jede und jeder kennt wahrscheinlich eine Person im Büro oder im Fitnessstudio mit einem ziemlich ausgeprägten Körpergeruch. Sehr unangenehm – für Sie und für die andere Person. Naheliegend ist dann der Gedanke, dass diese Person vielleicht öfter duschen sollte.
 
Irgendwo verständlich, aber … nicht korrekt! Hygiene spielt hier höchstwahrscheinlich nur eine geringe Rolle. Verantwortlich sind Bakterien in der Haut. Sie sind für Wasser und Seife kaum erreichbar – und es sind ausgerechnet die Bakterienarten, die besonders unangenehme Gerüche verursachen.

Geruch hängt von Geschlecht, Alter und Mikrobiom ab

  • → Stimmt

Die Mischung Ihrer Bakterien bildet Ihr „Körperparfum“. Ob dieses eher angenehm oder sehr intensiv riecht, hängt teilweise von den Bakterienarten ab. Vier Gruppen sind besonders berüchtigt für ihren geruchsintensiven „Duft“: Corynebakterien, Anaerococcus, Peptoniphilus und Staphylococcus hominis.
 
Nicht alle Menschen, die diesen Arten ein Zuhause bieten, entwickeln übrigens einen stark riechenden Achselgeruch. Auch Ihre Veranlagung (also Ihre DNA) spielt eine Rolle. Studien zeigen, dass diese Bakterien vor allem bei Menschen mit einer bestimmten DNA-Sequenz im Gen ABCC11 einen starken Geruch verursachen.
 
Unabhängig von der Bakterienzusammensetzung macht es außerdem einen Unterschied, ob Sie Mann oder Frau sind. In einer Studie mit Testpersonen, die ausgiebig schnuppern durften, rochen Frauen eher nach Zwiebeln, Männer eher nach Käse. Nur damit Sie es wissen …
 
Auch Ihr Alter beeinflusst Ihren Körpergeruch: Mit den Jahren siedeln sich mehr Bakterienarten in den Achseln an. Das führt zum typischen „Alt-Leute-Geruch“. (Ja, den gibt es wirklich!)

Links riechen Sie genauso wie rechts

  • → Stimmt nicht

Interessanter Fakt: Das Mikrobiom in Ihren Achseln unterscheidet sich. Ihr Körper ist zwar (ungefähr) symmetrisch, aber Sie schwitzen nicht auf beiden Seiten gleich stark. Außerdem sind Sie Links- oder Rechtshänderin/Rechtshänder. Der Unterschied in der Bewegung beider Arme sorgt auch für Unterschiede im „Mikroklima“ unter den Achseln. Das beeinflusst die Arten und die Menge der Bakterien – und damit den Geruch.

Körpergeruch kann transplantiert werden

  • → Stimmt

Man kann das Mikrobiom (und damit den Körpergeruch) tatsächlich transplantieren. In einer Studie ersetzte ein Forscher das Mikrobiom von 18 Personen mit starkem Körpergeruch durch das Mikrobiom naher Verwandter. Und das funktionierte. Der Grund, Familie als Spender zu wählen, liegt darin, dass die Veranlagung mitbestimmt, welche Bakterien gut wachsen können. So war die Wahrscheinlichkeit am größten, dass das „Spender-Mikrobiom“ sich ansiedelt.
 
Es ist allerdings nicht zu erwarten, dass dieses Experiment jetzt massenhaft in normalen Kliniken angeboten wird. Es gibt nämlich auch klare Nachteile: Mit dem Mikrobiom überträgt man auch Viren und krankmachende Bakterien, die man lieber nicht haben möchte. Deshalb arbeiten Forschende an anderen Wegen, das Mikrobiom zu ersetzen oder zu verbessern. Dazu erzähle ich Ihnen bald mehr.

Alle Deos wirken ungefähr gleich

  • → Stimmt nicht

Auch Ihre Deodorants beeinflussen die Menge der Bakterien – oder besser gesagt: Deodorants und Antitranspirants. Denn das, was wir umgangssprachlich „Deo“ nennen, umfasst eigentlich zwei verschiedene Produktarten. Ein klassisches Deodorant bekämpft Bakterien und überdeckt Geruch mit einem Duftstoff. Antitranspirants verhindern das Schwitzen, indem sie einen Teil der Schweißdrüsen mit Aluminiumsalzen abdichten. 
 
Was außerdem wichtig ist: Mehr ist nicht automatisch besser. Maskierende Deos führen zu weniger Bakterien auf Ihrer Haut. Das klingt gut, schafft aber auch Raum für Neuankömmlinge. Und das können wiederum Bakterienarten sein, die unangenehme Gerüche verursachen. Aluminiumsalze in Antitranspirants blockieren zwar den Schweiß in den „normalen“ Schweißdrüsen, nicht aber in tieferliegenden Drüsen, die über die Haarfollikel Feuchtigkeit abgeben. Das verschafft den Bakterien, die dort leben – und häufiger für unangenehmen Geruch sorgen – mehr Chancen. Deshalb gilt auch für Deos und Antitranspirants: less is more.

 

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