Fakten und Mythen Hautpflege

Ein echter Trend – aber besser nicht: 100 % Glycerin

Door: Dr. Jetske Ultee
Ein echter Trend – aber besser nicht: 100 % Glycerin

Ein beliebter Inhaltsstoff in der Kosmetik ist vor Kurzem solo auf Tour gegangen: Glycerin. Reines Glycerin auf die Haut aufgetragen, soll großartige Verbesserungen bringen. Dennoch lasse ich diesen Trend lieber an mir vorüberziehen. Ich erkläre Ihnen gern, warum.

 

Trend auf TikTok

Ich habe gesehen, dass #glycerin in letzter Zeit auf TikTok nicht weniger als 70 Millionen Aufrufe hatte. Glycerin ist zwar schon seit Jahren beliebt, aber dann als Inhaltsstoff in sehr vielen Kosmetikprodukten. Wie kommt es nun, dass reines Glycerin plötzlich zum Trend wird? Das erkläre ich Ihnen gleich. Zuerst aber ein paar Worte zu Glycerin selbst.

 

Was ist Glycerin eigentlich?

Glycerin ist eine klare, flüssige, geruchlose und leicht klebrige Substanz. Sie schmeckt leicht süß. Das liegt daran, dass es sich um einen sogenannten Zuckeralkohol handelt. Glycerin kommt natürlicherweise in Ihrem Körper vor, unter anderem in der Haut. Und es steckt in pflanzlichen und tierischen Fetten.
 

Ein Top-Inhaltsstoff aus vielen Gründen

Glycerin hätte aus meiner Sicht einen Preis verdient, denn es ist ein Spitzenwirkstoff für Kosmetik. Nicht aus einem, sondern aus vielen Gründen. Zunächst ist es äußerst gut darin, Feuchtigkeit zu spenden. Glycerin in Kosmetikprodukten zieht leicht in die Haut ein und zieht Wasser an: Dadurch wird die Haut hydratisiert. Einmal in der Haut, bindet Glycerin das Wasser, sodass es nicht entweichen kann. So sorgt Glycerin auch dafür, dass die Haut weniger austrocknet.
 
Ein weiterer Grund, warum ich schon lange ein Fan bin: Als Inhaltsstoff reizt Glycerin die Haut nicht. Es ist somit für alle Hauttypen geeignet. Aber warum nun dieser plötzliche Trend zu 100 % Glycerin?
 

Summe verschiedener Beauty-Trends

Reines Glycerin ist durch die Summe mehrerer Beauty-Trends in den Fokus gerückt. Der erste Trend ist Hydratation: Das Thema ist schon lange beliebt. Danach wurde eine glänzende, „glassy“ Haut immer angesagter, vor allem in asiatischen Ländern. Ergebnis: Die Beliebtheit von purem Glycerin ging sky high. Natürlich wegen der bekannten hydratisierenden Wirkung – und die leichte, wässrige Textur sorgt für einen perfekten glasigen Glanz. (Vaseline wird dafür übrigens auch verwendet, lässt die Haut aber fettig glänzen.) Und möglicherweise hat auch die zunehmende Nachfrage nach nachhaltiger Kosmetik diesen Trend befeuert. Da Glycerin in Pflanzen vorkommt, klingt es „grün“. Also Applaus für den 100-%-Glycerin-Trend? Eher nicht.
 

100 % Glycerin kann Ihrer Haut schaden

Würde ich reines Glycerin verwenden? Ganz ehrlich: nein. Zum einen hinterlässt es nach dem Auftragen eine klebrige Schicht auf der Haut. Darüber können Sie zum Beispiel keinen Sonnenschutz oder kein Make-up mehr auftragen. Das wird nämlich schnell … matschig. Wichtiger ist aber: Reines Glycerin kann Ihrer Haut schaden.
 

Reizung, Pickel und … Austrocknung!

In seiner reinen Form kann Glycerin auf der Haut Reizungen, Pickel und Mitesser verursachen. Außerdem zieht Glycerin so stark Wasser an, dass es dieses in einer sehr trockenen Umgebung auch aus den tieferen Hautschichten anziehen kann. Das passiert, wenn Sie sich in einem sehr trockenen Klima oder Raum aufhalten. Ergebnis: Ihre Haut wird nicht hydratisiert, sondern trocknet sogar eher aus!
 

Solo-Glycerin ist zu wenig für Ihre Haut

Noch ein Grund, nicht nur Glycerin zu verwenden: Sie tun Ihrer Haut damit keinen Gefallen. Ihre Haut braucht zum Beispiel auch Fruchtsäuren, Vitamine und Unterstützung für die Kollagenstruktur. Die werden Sie sichtbar vermissen, wenn Sie sich von dem 100-%-Glycerin-Trend mitreißen lassen. Und zuletzt: Glycerin ist nicht automatisch „grün“ … Ein Teil des Glycerins stammt von Palmölplantagen, für die tropischer Wald gerodet wurde. Sie verstehen, warum ich meine Lieferanten immer nach Nachweisen für eine verantwortungsvolle Quelle frage …
 

Trend vorbeiziehen lassen, Glycerin behalten

Wie bei den meisten Inhaltsstoffen gilt also auch für Glycerin: In der richtigen Menge in einem Produkt tut es Ihrer Haut gut, aber mehr ist nicht besser. Ich lasse den Trend zu purem Glycerin daher gern an mir vorbeiziehen, bleibe aber begeistert von Glycerin als Basiswirkstoff. Deshalb ist es in fast all meinen Produkten enthalten. Und ich bin nicht die Einzige, die es schätzt. Glycerin findet sich auf der INCI-Liste sehr vieler Feuchtigkeitscremes, Toner, Exfoliants und Cremes. Wenn Sie es nicht sofort auf der Zutatenliste sehen, kann das übrigens stimmen. Achten Sie auch auf Bezeichnungen wie Glycerol, Propan-1,2,3-triol oder Trihydroxypropan: Das ist alles Glycerin.

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