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Exosomen in der Hautpflege: Unsinn oder neuer Heiliger Gral?

Door: Dr. Jetske Ultee
Exosomen in der Hautpflege: Unsinn oder neuer Heiliger Gral?

Soms stößt man in der Welt der Hautpflege und Dermatologie auf Begriffe und Versprechen, die geradezu danach verlangen, genauer unter die Lupe genommen zu werden. Nehmen Sie Exosomen. Seit Anfang dieses Jahres waren sie plötzlich überall, und man kam an dieser sogenannten revolutionären Entwicklung in Skincare kaum vorbei. Exosomen an sich sind nicht neu, aber in der Hautpflege steckt der Einsatz von Exosomen noch in den Kinderschuhen. Was sind Exosomen genau, was bewirken sie – und wie kann Ihre Haut davon profitieren?

Was sind Exosomen?

Exosomen sind winzige Fettbläschen, die von verschiedenen Körperzellen gebildet und ausgeschieden werden. Also vollständig körpereigene Strukturen. Am besten kann Bart Metselaar, Apotheker und zugleich unser Produktentwickler, die Wirkung von Exosomen erklären. „Exosomen sind in der Lage, Zellen miteinander kommunizieren zu lassen. Sie übertragen Proteine, Lipide und DNA von einer Zelle auf eine andere. Dieses Kommunikationsnetzwerk läuft völlig natürlich ab, und in der Haut können insbesondere Fibroblasten darüber kommunizieren und zur Bildung von Kollagen und Elastin angeregt werden.
Außerdem können Exosomen mitverantwortlich für Gewebe- und Hautreparatur sein“, so Bart. Wussten Sie übrigens, dass Exosomen in der Medizin schon viel länger erforscht werden? Sie gelten als potenziell interessante Möglichkeit, neue Medikamente zu entwickeln. Exosomen in der INCI-Liste zu erkennen, ist übrigens gar nicht so einfach … Sie müssen nach Begriffen wie „culture“, „extract“ (wobei das Extrakt dann meist aus Zellkulturen stammt), „conditioned media“, „cell lysate“ oder „fat globule membranes“ suchen. Oder nach Begriffen, die auf einzelne Fette in Exosomen verweisen, wie „phospholipids“, „lecithin“, „hydrogenated lecithin“, „sphingolipids“, „ceramides“ und „cholesterol“. Wenn Sie sicher wissen möchten, ob Exosomen in einem Produkt enthalten sind, woher sie stammen und wie sie verarbeitet wurden, fragen Sie am besten direkt bei der jeweiligen Marke nach.

Exosomen für Ihre Haut: Wie sieht das aus?

Die Theorie hinter Exosomen für Ihre Haut klingt zunächst ziemlich logisch. Mit zunehmendem Alter verlangsamt sich die Kommunikation zwischen den Hautzellen. Die Fibroblasten (diese Zellen produzieren u. a. Kollagen und Elastin für eine feste und elastische Haut) werden weniger aktiv, und die Haut regeneriert sich langsamer. Exosomen sollen die Lösung sein und die Haut wieder dazu anregen, Kollagen und Elastin zu produzieren. Damit würden Exosomen auf kommunikativer, zellulärer Ebene wirken. Klingt ziemlich futuristisch und innovativ, oder?

Die Größe der Exosomen macht einen Strich durch die Rechnung

Manche Moleküle oder Inhaltsstoffe sind zu groß, um in die Haut einzudringen. Das gilt zum Beispiel für Kollagen. Bart: „Für Exosomen gilt das ebenfalls – und sogar noch stärker: Die Struktur ist noch gröber, wodurch Exosomen unmöglich von der Haut aufgenommen werden können, wenn Sie eine Creme verwenden, der Exosomen zugesetzt wurden. Und selbst wenn sie theoretisch durch die Haut gelangen würden, müssten die Exosomen auch noch intakt bleiben und dort, wo es nötig ist, ihre Wirkung entfalten. Das ist nahezu unmöglich.“

Exosomen via Microneedling

Theoretisch gibt es eine Möglichkeit, wie Exosomen wirken könnten: wenn sie per Injektion, etwa durch Microneedling, knapp unter die Hautoberfläche eingebracht werden. Aber noch einmal: theoretisch. Dafür müssen die Exosomen extrem stabil sein – und genau daran scheitert es oft.

Außerdem ist fraglich, ob sie die „Reise“ zu den Fibroblasten überstehen und dort tatsächlich noch einen Nutzen haben. Hinzu kommt, dass Exosomen steril sein müssen. An den Exosomenbläschen können Bakterien haften. Wenn man diese entfernen will, gehen die Exosomen kaputt und haben keinen Wert mehr. Eine Sterilisation durch Strahlung oder Hitze ist ebenfalls möglich, aber auch das überleben die Exosomen nicht.

Weitere Forschung zu Exosomen ist nötig

Bart fährt fort: „Um wirklich einen Wert zu haben, muss ein Gesundheits- und Pflegeprodukt drei Aspekte erfüllen: Qualität (ist es steril und stabil?), Sicherheit (verursacht es keine Nebenwirkungen?) und Wirksamkeit (tut es, was es tun soll?). Bis heute ist das bei Exosomen nicht ausreichend untersucht und belegt.“ Forschende beschäftigen sich jedoch intensiv damit – nach und nach erscheinen wissenschaftliche Studien zur Wirkung von Exosomen in der Haut.

Doch auch hier lautet das Fazit: Es braucht wirklich zusätzliche Forschung zu Exosomen. So ringen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit guten Methoden, um Exosomen stabil zu lagern. Und noch wichtiger: Es wurde bislang keine Zusammensetzung gefunden, die tatsächlich dafür sorgt, dass Exosomen von der Haut aufgenommen werden können. Bis dahin würde ich persönlich lieber in Hautpflege mit wissenschaftlich nachgewiesen wirksamen Inhaltsstoffen investieren, wie Vitamin A. Ich verfolge die Entwicklungen rund um Exosomen aber selbstverständlich sehr genau.

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